Der Tagesspiegel : In der Umlaufbahn

Alicja Kwades zweite große Einzelschau in der Galerie Johann König.

von
Spiel der
Spiel der

Ein zarter Strudel hat die Gegenstände in der Galerie Johann König erfasst. Dünne Kupferrohre, Zimmertüren und Gartentore arrangieren sich zu einem Labyrinth, dessen Kräfte unweigerlich ins Zentrum weisen. Vorbei an einem hellblauen Rennrad, das von selbst mitzufahren scheint. Vorbei auch an mehreren kullernden Münzen, die in ihrer Bewegung eingefroren scheinen. An schweren Glasscheiben und farbigen Lochblechen, die den äußeren Raum vom inneren trennen.

„In Circles“ heißt die Installation, mit der Alicja Kwade spielend die Halle füllt (Preis auf Anfrage). Statt großzügig kleine Geschichten zu streuen, konzentriert sich die junge, erfolgreiche Künstlerin ganz auf die fließende Bewegung vom Rand in die leere Mitte. Was sie für die visuelle Umsetzung verwendet, wirkt so lapidar, dass man im ersten Moment ein Detail glatt übersieht: Die Materialien vollziehen die Bewegung nach. Egal, ob Glas, Metall, Holz oder Beton, alles ist leicht gekrümmt, geht in die Kurve und ordnet sich im Gesamtbild zum Kreis. Wieder einmal hat Alicja Kwade die Dinge aus der Bahn geworfen und in ein paralleles Universum verpflanzt, in dem sich Materie anders als gewohnt verhält.

Man kennt das von der 1979 Geborenen: Kohle verwandelt sich dank Goldfolie in Edelbarren, Kiesel werden nach aufwendigem Edelsteinschliff zu faustgroßen Pretiosen und Lampen leuchten ohne Strom. Das Alchimistische früherer Arbeiten aber verschwindet zugunsten einer zunehmenden Klarheit, wie sie auch „Nissan (Parallelwelt 1+2)“ von 2009 besitzt: Nach einem Blechschaden am silbernen Kleinwagen ihres Freundes Gregor Hildebrandt ließ Alicja Kwade eine identische Beule in ihr baugleiches Auto fräsen. Auch da hielt sich der surreale Zauber in Grenzen und ging es mehr um die Frage, wie die Wahrnehmung verkraftet, dass sie eine eigentlich einmalige Konstellation gleich doppelt sieht.

„In Circles“ verfährt die Künstlerin exakt anders herum: Die Drehungen der Installation ahmen den Lauf der Erde um die Sonne nach und machen sichtbar, was das Bewusstsein erfolgreich verdrängt – dass wir in einer großen, ewigen Kreisbewegung sind. Christiane Meixner

Galerie Johann König, Dessauer Str. 6-7; bis 17. März, Di-Sa 11-18 Uhr

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