Der Tagesspiegel : In Potsdam werden die Villen knapp

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Von Michael Mara

und Thorsten Metzner

Potsdam. Neulich soll es nahe der Glienicker Brücke beinahe einen Auffahrunfall gegeben haben. Autofahrer bremsten plötzlich scharf, als sie das Paar an der Zufahrt zur Villa Kampffmeyer erkannten: Der Schweizer Ex-Botschafter Thomas Borer-Fielding und seine Gattin Shawne - wie immer eine auffällige Erscheinung. Auch Reisebusse hallen hier neuerdings. Und manche biegen dann in die Villenkolonie am Heiligen See ab: „Promi-Tour“, sagen die Anwohner dazu. Und ein Reisebüro-Leiter stellt fest: „Seit immer mehr Berühmtheiten nach Potsdam ziehen, haben sich Ansätze eines Promi-Tourismus entwickelt.“ Es gebe erste Reiseführer, in denen die Adressen der Villen von Joop und Jauch genannt würden. Manche der Touristen-Gruppen begleitenden Potsdam-Führer hätten sich inzwischen sogar darauf spezialisiert. An den Wochenenden sind immer mehr Ausflügler rund um den Neuen Garten zu beobachten.

Die Hemmschwelle ist weg

Zu entdecken gibt es tatsächlich viel: Herrschaftliche Gründerzeitvillen, wie an einer Perlenschnur aufgereiht, eine schöner als die andere, die meisten bereits restauriert. Vor allem die Ufergrundstücke am glasklaren Heiligen See gegenüber dem frühklassizistischen Marmorpalais sind hochbegehrt. Doch oft winken die Makler ab. Den Wert Potsdams, seiner einzigartigen Kulturlandschaft, erkennen inzwischen immer mehr Bekannte aus Medien, Industrie, Adel, Kunst. Eine Stadt, die inspiriert, die kreative Geister anzieht wie die Entertainerin Desiree Nick, Ulla Kock am Brink, die Schauspielerin Doreen Jacobi („Helicops“). „Vor einigen Jahren gab es noch eine Hemmschwelle, nach Potsdam zu gehen“, sagt die Potsdamer Büroleiterin von Engel & Völkers, Heidrun Schütt. Die sei inzwischen verschwunden, was sie auch auf die Imagepflege von Oberbürgermeister Matthias Platzeck zurückführt.

Die besonders wertvollen Villen würden sogar langsam rar. Rund 100 Kaufinteressenten stehen bei Engels & Völkers in der Kartei: „Viele warten auf bestimmte Objekte wie Seegrundstücke am Heiligen See, da spielen Jahre keine Rolle.“ Claus-Thilo Kolster von Dahler & Company verweist darauf, dass die Preise vor zwei Jahren „noch im Keller“ gewesen seien, viele Villen leer gestanden hätten. Inzwischen habe sich das Blatt gewandelt. Es spricht sich herum, dass im Vergleich zu Hamburg, München oder Düsseldorf Luxusvillen hier noch relativ günstig zu haben sind. Manche, die sich ein Prunkstück in der alten preußischen Residenz gekauft hätten, pendelten sogar zur Arbeit nach Frankfurt/Main oder München, erzählt Kolster: „In Potsdam ist Luxus noch bezahlbar.“

Inzwischen gibt es sogar erste „Suchaufträge von ganz, ganz großen n, die über Anwälte das Terrain sondieren lassen“. Mehr verrät Kolster nicht. „Alles muss ganz diskret gehen, Namen dürfen auf keinen Fall genannt werden“, bestätigt eine renommierte Hamburger Anwaltskanzlei, die „für eine der reichsten Familien Deutschlands“ auf der Suche nach einem „schlossartigen Grundstück“ in Potsdam ist. „Das große Geld ist scheu.“

Weniger scheu ist Potsdams bekanntester Promi – der Modedesigner Wolfgang Joop. Als gebürtiger Potsdamer brachte er der Landeshauptstadt reichlich Glamourpunkte. Und wie ein Bild aus Hollywood strahlt auch die weiße „Villa Wunderkind“, in der seine Kreativfirma residiert. Zu Zeiten des Kalten Krieges war hier am Heiligen See die britische Militärmission untergebracht. Von der pompösen Gartenterrasse des Hanggrundstücks hat man einen der prachtvollsten Blicke über das Wasser auf das genau gegenüber liegende Marmorpalais, hinter dem abends die Sonne untergeht. Derzeit lässt er sich bereits die zweite Villa sanieren. Auch Joop-Entdeckung Franziska Knuppe wohnt inzwischen in der Gegend. Das Top-Model hat sich eine Villa in einer ruhiges Sackgasse eingerichtet. Auch Ufa-Chef Wolf Bauer hat sich dort ein Palais im toskanischen Stil errichten lassen. Im Kontrast dazu die neue aus Beton errichtete, schlichte Turm-Villa von TV-Moderator Günter Jauch.

„Ein deutsches Juwel“

Und noch eine Fernsehgröße hat am Heiligen See Quartier bezogen: Ulrich Meyer restauriert dort gerade einen bombastischen Mietspalast aus der Gründerzeit. Beschädigte Türmchen, Gauben, Verzierungen werden mühsam wieder hergestellt. Zuvor hatte Meyer bereits eine heruntergekommene Mietvilla sanieren lassen. Selbst die Wandgemälde in den inneren Balkonen, die abends beleuchtet werden, sind wieder erschaffen worden. In der ehemaligen Remise haben sich Meyer und seine Lebensgefährtin Georgia Tornow eine Wohnung eingerichtet. Auch in die Nauener Vorstadt jenseits des Neuen Gartens zieht es Prominente. Top-Model Nadja Auermann, die gerade das Ende ihrer Beauty-Karriere verkündet hat, investierte in eine verfallene Villa im französischen Schlossstil, der französische Energiedienstleister Elyo in die Villa Fischbach, die bereits in neuem Glanz erstrahlt – vergoldete Löwenköpfe zieren die Brüstungen des Balkons. Dezenter residieren große Namen aus der Verlagsbranche: etwa Springer-Vorstand Matthias Döpfner, der sich in einer Villa aus dem Jahre 1876 niedergelassen hat. Und auch Verlegerin Friede Springer wohnt in der Stadt, über die sie einst sagte: „Eine wunderbare Stadt, ein deutsches Juwel.“

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