Der Tagesspiegel : In sechs Jahren kann das Schloss stehen

Die Verhandlungen zur Rekonstruktion in Potsdam gehen voran. Sogar der Zeitplan existiert schon

Michael Mara

Potsdam. Der Wiederaufbau des Potsdamer Stadtschlosses als Landtagssitz kann rechtzeitig bis zur geplanten Fusion Berlins und Brandenburgs 2009 abgeschlossen sein. Darin sind sich Experten sowohl in Potsdam wie auch bei der zum Otto-Konzern gehörenden ECE-Gruppe einig. Letztere hat wie berichtet ein Angebot für den Wiederaufbau des Schlosses unterbreitet, das derzeit von der Stadt- und Landesregierung geprüft wird. Die Reaktion auf die vom Tagesspiegel publik gemachten geheimen Verhandlungen fiel überwiegend positiv aus: In Rathaus und Landtag wurde begrüßt, dass sich ECE in Potsdam engagieren will. Innenminister Jörg Schönbohm (CDU), Schirmherr für den Wiederaufbau der Garnisonkirche, sagte: „Ich unterstütze alles, was den Aufbau des Schlosses voranbringt. Potsdam braucht seine Mitte wieder.“

Nach Tagesspiegel-Informationen liegt bereits ein detaillierter Fahrplan für den Aufbau vor, den ECE-Chef Alexander Otto in Vier-Augen-Gesprächen mit Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) erörtert hat. Danach ist eine Bauzeit von drei Jahren vorgesehen, wobei die Grundsteinlegung frühestens Ende 2005 erfolgen kann. Der Grund: Die Straßenkreuzung Lange Brücke, Friedrich-Ebert- und Breite-Straße muss verlegt werden, um den Grundriss für das Schloss freizumachen, das Gebäude der jetzigen Fachhochschule muss abgerissen werden. Auch müssen umfangreiche Grabungen auf dem Schlossgelände selbst erfolgen, wo sich im Mittelalter eine Burganlage befand. Als „problematisch“ werden teilweise die Bedingungen der ECE-Gruppe angesehen: Nicht nur, dass Stadt und Land rund 45 Millionen Euro für die notwendigen Infrastrukturmaßnahmen im Vorfeld des Baus sowie weitere 40 Millionen Euro für die historische Fassade übernehmen müssen. Das wertvolle Schloss-Grundstück im Herzen Potsdams soll nach Informationen des Tagesspiegel der ECE-Gruppe zum symbolischen Preis von einem Euro überlassen werden. Obendrein muss der Landtag das Schloss auf 30 Jahre mieten.

Dennoch betont zum Beispiel SPD-Fraktionschef Gunter Fritsch, dass die Bedingungen der ECE-Gruppe „keine K.-o.-Forderungen sind“. Er wies darauf hin, dass selbst bei einem Verzicht auf einen Landtagsneubau Kosten in ähnlicher Größenordnung für die Sanierung und Erweiterung des maroden „Kreml“ auf dem Brauhausberg anfallen würden, in dem der Landtag provisorisch untergebracht ist. Selbst dann wäre er aber als Landtag nicht voll funktionsfähig. Nur Kulturministerin Johanna Wanka warnt: Mit dem Geld könnten zahlreiche vom Verfall bedrohte Schlösser saniert werden.

Dessen ungeachtet suchen Experten – eingeschaltet ist auch ein Planer des Berliner Reichstages – nach Lösungen, wie der Landtag im Stadtschloss untergebracht werden kann: Es bietet rund 12 000 Quadratmeter Nutzfläche, benötigt werden aber 14 500. Erwogen wird nach Tagesspiegel-Informationen, hinter der dreigeschossigen historischen Fassade einen viergeschossigen modernen Zweckbau zu errichten. Dadurch würden rund 3000 Quadratmeter zusätzliche Fläche gewonnen. Der Plenarsaal soll im Innenhof entstehen. Die Prüfungen sollen noch im Sommer abgeschlossen werden: Mitte und Ende Juli sind die nächsten „Schlossrunden“ der Stadt- und Landesspitze geplant. Danach müsste der Landtag entscheiden. Erst dann könnten die eigentlichen Planungen beginnen.

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