Independent-Filme : Sundance-Festival feiert 25. Geburtstag

Das renommierte Sundance Film Festival von Robert Redford muss sich angesichts der Wirtschaftskrise auf harte Zeiten gefasst machen. Das Programm kann sich aber auch im Jubiläumsjahr sehen lassen.

Barbara Munker[dpa]
Redford
US-Schauspieler und Festivalgründer Robert Redford. -Foto: dpa

San Francisco Zum Start des Sundance Film Festivals treffen sie gewöhnlich in Scharen ein: Hollywoodstars, Filmfans und Einkäufer der Studios, die nach dem nächsten großen Indie-Hit Ausschau halten. Im vorigen Jahr reisten mehr als 45.000 Besucher in den kleinen Wintersportort Park City im US-Staat Utah zum weltweit größten Festival für den unabhängigen Film. Mit ihnen flossen schätzungsweise 63 Millionen Dollar in den Mormonenstaat. Die Wirtschaftsmisere, die auch vor Hollywood nicht haltmacht, könnte den Ansturm diesmal bremsen.

Doch Sundance-Gründer Robert Redford (72), der das zehntägige Festival an diesem Donnerstag (15.1.) eröffnet, bleibt gelassen. "Das macht mir nichts aus, wenn wir weniger Besucher haben", sagte der Schauspieler und Regisseur kürzlich der "Salt Lake Tribune". "Es könnte sogar eine gute Seite haben, wenn es weniger Remmidemmi und Zirkus gibt und wir uns wieder mehr auf das Eigentliche besinnen, die unabhängigen Filmemacher und die Qualität ihrer Arbeit."

Das Festival feiert in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag und zahlreiche bekannte Namen stehen neben unbekannten Künstlern und Regie-Neulingen auf der Gästeliste. Mickey Rourke, Kim Basinger und Billy Bob Thornton geben als dekadente Reiche in "The Informers" ihr Debüt, Uma Thurman zeigt sich in "Motherhood" von ihrer mütterlichen Seite, Richard Gere ist in "Brooklyn's Finest" als Cop zu sehen. Jim Carrey feiert mit dem Betrüger-Drama "I Love You Philip Morris" seine Weltpremiere.

Animationsfilm eröffnet Festival

Eröffnet wird das Festival am Donnerstag mit dem Animationsfilm "Mary and Max" über die seltsame Brieffreundschaft eines australischen Mädchens mit einem fettsüchtigen New Yorker Mann. Philip Seymour Hoffman und Toni Collette vertonen die Knetfiguren, Adam Elliot gibt sein Spielfilmdebüt. Mit dem Dokumentarfilm "Earth Days" über Umweltaktivisten geht das Festival am 25. Januar zu Ende. Dazwischen werden rund 120 Spielfilme aus 21 Ländern gezeigt, 87 Weltpremieren gefeiert und 42 Regiedebüts präsentiert.

In vier Sparten treten jeweils 16 Filme im Wettbewerb gegeneinander an. In der Spielfilmkategorie "World Cinema" für ausländische Filme treffen zwei deutsche Regisseure aufeinander. Oskar Roehler präsentiert die 50er-Jahre-Liebesgeschichte "Lulu und Jimi", Oliver Hirschbiegel geht mit dem Nordirland-Drama "Five Minutes of Heaven" für England an den Start.

Sandra Nettelbeck, die mit "Bella Martha" in den USA bekannt wurde, feiert mit "Helen" die Weltpremiere ihres ersten englischsprachigen Films. Die kanadisch-deutsche Produktion mit Ashley Judd dreht sich um eine Musikprofessorin, die unter Depressionen leidet. Sie läuft außerhalb des Wettbewerbs, ebenso wie der deutsch-spanische Film "Die Frau des Anarchisten" von Peter Sehr und Marie Noëlle.

Bei den Dokumentationen reicht die Bandbreite von "Good Hair" des US-Komikers Chris Rock, der darin afro-amerikanische Frisuren unter die Lupe nimmt, über "September Issue", ein Porträt der gefürchteten "Vogue"-Chefin Anna Wintour, bis hin zu "211: Anna" über die Ermordung der russischen Journalistin Anna Politkowskaja.

Suche nach dem nächsten großen Indie-Hit

Die Indie-Branche muss sich beim globalen Sparkurs auf harte Zeiten gefasst machen. Große Studios wie Warner Bros. haben ihre Kunstfilm-Labels stillgelegt, Finanzmittel fehlen, es mangelt an Käufern und Verleihern. "Keiner weiß so richtig, was passieren wird", klagte der langjährige Pressesprecher Mickey Cottrell in der "Salt Lake Tribune". "Allen ist aber klar, dass die Brieftaschen nicht mehr so dick sind wie früher." Umso spannender könnte es beim Filmfest in dem alten Silberminenort Park City bei der Suche nach Leinwand-"Gold" zugehen. Wer spürt den nächsten großen Indie-Hit auf, der an den Kinokassen abräumen wird?

Vor einem Jahr lief am Sundance-Eröffnungsabend das Spielfilmdebüt des britischen Drehbuchautors Martin McDonagh, die tragikomische Mördergeschichte "Brügge sehen - und sterben?". Bei der Golden Globe Gala am vergangenen Sonntag wurde Hauptdarsteller Colin Farrell zum besten Schauspieler gekürt. Seit der Entdeckung des damals völlig unbekannten Steven Soderbergh in Park City mit seinem Low-Budget- Streifen "Sex, Lügen und Video", der 1989 zum Kassenknüller wurde, gilt das Festival als Sprungbrett für Filmschaffende. So wurde die 2006 gefeierte Sundance-Komödie "Little Miss Sunshine" im folgenden Jahr mit zwei Oscar-Trophäen bedacht.