Indien : Kongresspartei erwartet in wenigen Tagen Regierungsbildung

Sonia Gandhis Kongresspartei hat einen überragenden Wahlsieg erzielt. Nach den Ergebnissen der Auszählungen, fehlen der indischen Traditionspartei nur wenige Stimmen für eine Mehrheit.

Neu DehliMit 206 Sitzen erzielte die Kongresspartei ihr bestes Ergebnis seit fast 20 Jahren. Kongress-Sprecher Tom Vadakkan sagte, er rechne damit, dass die neue Regierung innerhalb von einer Woche ihre Arbeit aufnehmen wird. Kleinere Parteien signalisierten Unterstützung für eine vom bisherigen und künftigen Premierminister Manmohan Singh geführte Regierung.

Nach Auszählung beinahe aller Stimmen, kommt die von der Kongress geführte Vereinte Fortschrittsallianz (UPA) auf 262 Sitze. Für die absolute Mehrheit fehlen damit nur zehn Sitze.  

Die hindu-nationalistische BJP erlebte hingegen ein Wahldebakel. Die oppositionelle Nationale Demokratische Allianz (NDA) unter Führung der BJP kam nur auf 159 Sitze. Die "Dritte Front" aus kommunistischen und regionalen Parteien kam auf 80 Sitze und schnitt deutlich schlechter als erwartet ab.

Singh dankte den Wählern für das "massive Mandat". Bei dem Spitzentreffen der Partei sagte der künftige Premier, die neue Regierung werde ihre Arbeit vor dem Hintergrund einer weltweiten Rezession und ernster Probleme in den umliegenden Ländern beginnen.

Hunderte Kongress-Anhänger feierten am Wochenende vor dem Hauptquartier der Partei in Neu Delhi. Das neue Parlament kommt am 2. Juni zu seiner ersten Sitzung zusammen.

Die Wahlbeteiligung lag bei 60 Prozent. 428 Millionen der 714 Millionen indischen Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab. Indien ist mit seinen 1,1 Milliarden Einwohnern die bevölkerungsreichste Demokratie der Welt. Die Wahl hatte am 16. April begonnen und war aus organisatorischen und aus Sicherheitsgründen auf fünf Wahltage verteilt worden.

Trotz 2,1 Millionen eingesetzter Sicherheitskräfte kamen bei den Wahlen knapp 50 Menschen gewaltsam ums Leben, meist bei Anschlägen und Angriffen maoistischer Gruppen. Die Abstimmung verlief an den meisten Tagen jedoch vergleichsweise friedlich. (sh/dpa)