Insolvenz : Neue Hoffnung für Schieder?

Für den angeschlagenen Möbelhersteller Schieder könnte es Hoffnung geben, die Insolvenz doch noch abzuwenden. Ein Investor aus dem "angelsächsischen Raum" könnte das Unternehmen mit neuen Krediten wieder liquide machen.

Schieder-SchwalenbergWechselbad der Gefühle für 11.000 Schieder-Mitarbeiter: Noch am Freitag stand Europas größter Möbelhersteller aus dem lippischen Schieder-Schwalenberg vor dem Aus, der Insolvenzantrag für die Holding war gestellt. Am Sonntagabend hieß es plötzlich, Rettung vor der Insolvenz sei möglich, zum zweiten Mal seit April. Interims-Geschäftsführer Ulrich Wlecke hatte die Absichtserklärung eines Investors über die Übernahme der gesamten Unternehmensgruppe bestätigt. "Das ist kein Luftschloss, sondern etwas, was man ernst nehmen muss", sagte der Detmolder Insolvenzrichter Klaus-Peter Busch. "Es wird auf allen Ebenen verhandelt, es ist eine seriöse Chance."

Um welchen Investor es sich handelt, sagte Wlecke nicht. Nach Buschs Angaben geht es um ein Unternehmen aus dem angelsächsischen Raum, das offensichtlich bereits als Kreditgeber an dem Möbelriesen beteiligt sei. Der Investor habe auch die Kapazität für eine Übernahme. "Es müsste sich innerhalb einer Woche entscheiden", sagte der Insolvenzrichter zu der verbleibenden Frist. "Wir können uns nicht erlauben, lange in der Insolvenz zu dümpeln", sagte Wlecke schon am Sonntagabend. Feinheiten müssten noch abgestimmt werden.

Investor soll Holding kaufen

Bislang liege nur der Insolvenzantrag der Schieder Holding vor, sagte Busch weiter. Ziel sei, dass der Investor die Anteile der Holding für einen symbolischen Betrag aus der Insolvenz herauskaufe. Diese bleibe in Insolvenz, und die Gläubiger müssten ihre Ansprüche gegenüber der Holding im Insolvenzverfahren geltend machen. "Es geht darum, den Zusammenhalt der Gruppe zu gewährleisten", betonte Wlecke. Die neue Gruppe wäre von der Insolvenz unbelastet. Derweil können laut Busch fertige Waren wegen der komplizierten Struktur der aus 115 Gesellschaften bestehenden Gruppe nicht zu den Abnehmern gelangen - die eigenen Vertriebsgesellschaften, die die Möbel formal kaufen müssen, hätten kein Geld.

Nach Angaben der IG Metall beschäftigt Schieder in Deutschland rund 1300 Mitarbeiter. Grundsätzlich seien Stellenstreichungen "nicht ausgeschlossen", hieß es aus Unternehmenskreisen. Ein Firmensprecher sagte, "es ist Restrukturierungsbedarf da, keine Frage". Die Verhandlungen mit dem Investor seien jedoch ein "gutes Signal" auch für die Mitarbeiter. Zu den ersten Forderungen an die Beschäftigten zählten verlängerte Arbeitszeiten, sagte Konzernbetriebsratschef Johannes Viefhues. Dies müsse allerdings von den Tarifvertragspartnern geregelt werden. "Wir werden nicht einfach so darauf losrennen, sondern uns Zeit zum Überlegen nehmen", sagte er mit Blick auf die überraschende Wendung.

Vier Ex-Manager in Untersuchungshaft

Management, Banken und Investoren hatten tagelang über die künftige Finanzierung des Möbelriesen verhandelt, der nach Bekanntwerden von Bilanzfälschungen in Millionenhöhe überschuldet ist. Vier frühere Manager, die die Bilanzen der Geschäftsjahre 2004/2005 und 2005/2006 um jeweils 34 Millionen Euro geschönt und Kredite und Genussscheine über rund 283 Millionen Euro erschlichen haben sollen, sind in Untersuchungshaft. Wlecke zufolge liegen die Schulden der Gruppe bei rund 400 Millionen Euro. Bereits im April war Schieder nach einem Überbrückungskredit nur knapp einer Insolvenz entgangen.

Unterdessen besteht laut des Bielefelder "Westfalen-Blatts" der Verdacht, dass frühere Spitzen-Manager in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Dem Bericht zufolge richtet sich der Verdacht gegen Firmengründer Rolf Demuth und Ex-Finanzchef Heinrich Griem, die im Beirat der Gruppe monatlich je 99.000 Euro kassiert haben sollen. Die Staatsanwaltschaft wollte dies am Montag nicht kommentieren. Von Thomas Strünkelnberg, dpa