Insolvenz : Wasser bis zum Hals

Der Betreiber des Cottbuser Freizeitbades "Lagune“ musste Insolvenz anmelden – die Konkurrenz war offenbar zu stark.

Claus-Dieter Steyer

Cottbus - Die in ganz Deutschland einmalige Konzentration von Freizeit- und Erlebnisbädern im Südosten Brandenburgs hat zu einer ersten Pleite geführt. Wegen Zahlungsunfähigkeit musste der private Betreiber des Cottbuser Sport- und Freizeitbades „Lagune“ jetzt Insolvenz anmelden. Es kamen viel zu wenige Besucher in die erst vor knapp zwei Jahren eröffnete Anlage. Statt der erwarteten 180 000 Gäste passierten im Vorjahr nur 155 000 die Eingänge. Vorerst merken die Besucher nichts von der Pleite. Die „Lagune“ bleibt weiter geöffnet. Eine Insolvenzverwalterin bemüht sich um neue Geldquellen. „Sie erhält unsere volle Unterstützung, den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten“, sagte Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD).

Doch das Hauptproblem liegt im harten Konkurrenzkampf zwischen einem halben Dutzend Bädern und Sauna-Anlagen. Der Blick auf die Landkarte zeigt: Wer als Cottbuser schwimmen gehen, schwitzen oder sich bei einer Massage entspannen will, hat reichlich Auswahl. Gleich um die Ecke liegen die Spreewaldtherme Burg, das Spreewelten-Bad Lübbenau, das Seeschlösschen Senftenberg, das Wellnesshotel „Zur Bleiche“ in Burg, das Saunadorf Leuthen – und bis zum Giganten „Tropical Islands“ ist es auch nur ein Katzensprung. Alle Bauten standen schon vor der Eröffnung der „Lagune“.

Doch während alle genannten Freizeitbäder zu einem großen Teil von Gästen aus Berlin, Potsdam und aus anderen Bundesländern leben, zielt die Cottbuser „Lagune“ auf einheimische Besucher. Stünde sie mit ihrem 50-Meter-Schwimmbecken, dem Sprungturm, der großzügigen Freibadanlage oder dem Wellnessbereich in Berlin, wäre in dem einst für 16,5 Millionen Euro aus öffentlichen und privaten Kassen gebauten Bad wohl kein Jahresverlust von rund 300 000 Euro aufgelaufen. Schmerzlich erinnern sich Ost-Berliner an die ähnlichen Angebote im einstigen Sport- und Erholungszentrum SEZ an der Landsberger Allee.

Die Konkurrenz der „Lagune“ setzte auf Originalität: „Wir brauchten für unser Bad ein Alleinstellungsmerkmal und fanden es in den Pinguinen“, sagt Helmut Wenzel, Bürgermeister des rund 30 Kilometer von Cottbus entfernten Lübbenau. „Jetzt können die Besucher mit den Tieren um die Wette schwimmen. Nur eine Glasscheibe trennt ihr Terrain von den Schwimmbecken.“ Sechs Millionen Euro ließ sich die städtische Wohnungsbaugesellschaft als Eigentümer den kompletten Umbau des 1998 eröffneten Bades kosten, die Pinguinanlage schlug mit rund 500 000 Euro zu Buche. Auch die anderen Bäder putzten sich heraus, während die Schulden der „Lagune“ immer größer wurden. Der private Betreiber Wolfgang Tober, der für eine Stellungnahme am Donnerstag nicht erreichbar war, hoffte bis zuletzt auf einen Zuschuss der Stadt in Höhe von 450 000 Euro. Doch den lehnte das Stadtparlament im Januar ab.

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