Institut für Nachhaltigkeit : Töpfer verbessert das Klima für Potsdamer Spitzenforschung

Der ehemaliger Umweltminister Klaus Töpfer eröffnet das neue Institut für Klimaschutz-, Erdsystem- und Nachhaltigkeitsforschung in Potsdam.

Jan Kixmüller

PotsdamIn Zukunft könnte das klimaschädliche Kohlendioxid (CO2) als Benzin aus der Zapfsäule kommen. In Methanol umgewandelt könnte der Klimakiller zum Treibstoff von morgen werden, ohne dass dabei zusätzliche Treibhausgase freigesetzt würden. Die Idee gehört zu fünf wissenschaftlichen Projekten, die der Direktor des neuen Instituts für Klimaschutz-, Erdsystem- und Nachhaltigkeitsforschung in Potsdam (IASS), Physiknobelpreisträger Carlo Rubbia, zur offiziellen Eröffnung des Institutes am Montag vorgestellt hat.

Während sich die Politik derzeit hauptsächlich mit der Frage beschäftigt, wie man das Klimagas unter der Erde entsorgen kann, sucht das vom ehemaligen Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) aufgebaute IASS vornehmlich nach dem energetischen Potenzial, das in Kohlendioxid steckt. Die Transformation des Energiesektors zu erneuerbaren Energien werde nicht so schnell möglich sein, wie vielfach gehofft, sagte Rubia. „Wir sind aber in höchster Eile“, so der weltweit renommierte Forscher, der von 1989 bis 1994 Generaldirektor des Forschungszentrums CERN in Genf war. Daher wolle er mit den am IASS angesiedelten Spitzenforschern nach Möglichkeiten suchen, auch fossile Energieträger parallel zum Umbau auf Erneuerbare so einzusetzen, dass nur eine geringe oder gar keine Kohlendioxid-Emission stattfindet. „Die Ideen sind umsetzbar, aber es braucht seine Zeit vom wissenschaftlichen Plan bis zur praktischen Nutzung“, sagte Rubia. Die unterirdische Einlagerung von CO2, die sogenannte CCS-Technologie, bezeichnete er dabei als „keine praktikable Lösung“ für das Klimaproblem.

Weitere Projekte des Spitzeninstituts sind die Nutzung von Erdgas mit geringerer CO2-Emission und die Energiegewinnung aus Methanhydraten vom Meeresboden. Auch Sonnenenergie bleibe ein bedeutender Faktor für den Klimaschutz. Hier sei eine stärkere Effizienz der Sonnenkollektoren gefragt, wichtiger allerdings sei die Frage, wie sich Solarenergie besser speichern lasse und wie sie ohne großen Energieverlust über lange Entfernungen transportiert werden könne.

Gründungsdirektor Töpfer betonte die Vermittlerfunktion des IASS. Am Beispiel der mangelnden öffentlichen Akzeptanz von unterirdischer CO2-Speicherung zeige sich, dass diese Aufgabe zentral für eine nachhaltige Energiewende sei. Das IASS soll eine Brückenfunktion einnehmen: Die Gesellschaft müsse „besser und früher in den wissenschaftlichen Fortschritt“ eingebunden werden. Das Bundesforschungsministerium spricht von einem Scharnier zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit.

Das 2009 gegründete IASS, das in Potsdam in den ehemaligen Räumen der Bundesbank angesiedelt wurde, verstehe sich nach den Worten Töpfers nicht als Gegenspieler sondern als Ergänzung zu den bereits bestehenden Potsdamer Spitzeninstituten für Erd-, Klima- und Meeresforschung. Dazu sei das Institut auch von renommierten Forschungsgesellschaften initiiert worden, beteiligt waren das Potsdamer Geo-Forschungs-Zentrum (GFZ) und das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Zur Stammbesetzung gehören derzeit 20 Mitarbeiter, geplant sind 40 feste Mitarbeiter und bis zu 50 überwiegend internationale Gastwissenschaftler. Das IASS wird zu 15 Prozent vom Land Brandenburg und zu 85 Prozent vom Forschungsministerium finanziert. Für zunächst sieben Jahre stehen jährlich neun Millionen Euro zur Verfügung.

Der Umbau in der Potsdamer Helmholtzstraße und die Sanierungsarbeiten in der Kleistvilla für insgesamt 2,4 Millionen Euro sind laut Töpfer abgeschlossen. „Wir sind jetzt voll funktionsfähig.“ Zu dem Sitz im ehemaligen Bankgebäude sagte Töpfer, dass sich weltweit kaum ein Forschungsinstitut mit mehr Tresoren finden dürfte. „Das Gebäude ist quasi um einen riesigen Tresor herumgebaut.“ Dass es bei bei dem Eröffnungsempfang gestern in dem großen Haus ziemlich kalt war, erklärte der Umweltexperte mit Gründen der Nachhaltigkeit: „Wir müssen Energie sparen!“

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