Integration : Mehr Migranten im öffentlichen Dienst

Die Kampagne "Berlin braucht dich" wirbt an Schulen um junge Einwanderer als Auszubildende. Bisher verzeichnet sie nur mäßigen Erfolg, viele Schulen haben kein Interesse an der Aktion.

Annette Kögel

BerlinMeriban Aktae hat es geschafft – obwohl die türkischstämmige Jugendliche in der neunten Klasse zunächst die Schule schmiss, weil familiäre Probleme sie aus der Bahn warfen. Aber dann machte sie den erweiterten Hauptschulabschluss nach. Motiviert habe sie sich ganz allein, „über meinen Kopf“. Nun sitzt die 21-jährige angehende Bürokauffrau in der Aula der Hermann-von-Helmholtz- Gesamtschule in Rudow auf dem Podium. Sie ist Ansprechpartnerin für die Kampagne „Berlin braucht dich!“. Mit den Schulvisiten wirbt der öffentliche Dienst um Migranten als Auszubildende.

„Wir brauchen die Kompetenz der Migranten, aber Verwaltung, Polizei und Feuerwehr sollten auch ein Spiegelbild der Gesellschaft sein“, sagt der Integrationsbeauftragte Günter Piening vorn neben Meriban Aktae. Die erste Kampagne 2006 war allerdings noch kein durchschlagender Erfolg. Teils hatten Schulen kein Interesse an den Veranstaltungen, teils schafften Migranten die Einstellungstests nicht. „Wir wünschen uns, dass Berlin dem Vorbild Hamburgs folgt und alternative Testverfahren für Jugendliche mit anderem kulturellen Hintergrund anbietet“, sagt Kampagnen-Leiter Klaus Kohlmeyer. Zudem hofft er, dass sich die Feuerwehr künftig stärker beteiligt. Das Konzept der Kampagne wurde jetzt geändert: Statt bezahlter Promoter gehen nun jugendliche Vorbilder an die Schulen – mit Erfolg.

Hatten im Ausbildungsjahr 2006/07 noch 58 von 668 neu eingestellten Lehrlingen im öffentlichen Dienst einen Migrationshintergrund (8,7 Prozent), sind es dieses Jahr 91 von 688 (13,2 Prozent). In der Innenverwaltung sind es 24 Prozent, bei der Polizei zehn. Bei den Bezirksämtern liegen Reinickendorf, Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln vorn, über 35 Prozent der Lehrlinge haben einst eingewanderte Eltern. Schülerin Amina Sleimann mit Kopftuch hatte bei einem Praktikum Glück. „In der Ergotherapie-Praxis habe ich für arabische Patienten übersetzt.“ Obwohl sich die Helmholtz-Schule um Berufsvorbereitung etwa zusammen mit der Firma Geyer engagiert, ergattern nur 15 Prozent der Abgänger eine betriebliche Lehrstelle.

Infos zu Kampagne: Tel. 90 17 23 70, im Internet: www.berlin-braucht-dich.de

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