Integration : Publizist will modernen Migrantenverband gründen

Nach dem Boykott des Integrationsgipfels durch mehrere türkische Organisationen will der Berliner Publizist Nazmi Kavsoglu einen eigenen Verband gründen. Ihm schwebt ein moderner Zentralverband vor, der sich weniger über nationale oder religiöse Identität definiere.

Nazmi Kavasoglu
Der türkischstämmige Publizist Nazmi Kavasoglu. -Foto: ddp

BerlinAls Konsequenz aus dem Boykott des Integrationsgipfels durch mehrere türkische Verbände vor einer Woche will der Berliner Publizist und Autor Nazmi Kavasoglu eine eigene Organisation gründen. Dieser "Zentralverband der rechtsstaatlich denkenden Türken" stehe allen Interessierten offen, die sich "nicht vornehmlich über ihre nationale und religiöse Identität" definierten, sagte Kavasoglu.

Die etablierten Verbände wie etwa die Türkisch-Islamische Union (Ditib) oder die Türkische Gemeinde in Deutschland hätten durch ihr Fernbleiben beim Gipfel einen schweren politischen Fehler begangen und dadurch dokumentiert, dass sie "an einem Dialog mit der Bundesregierung in Wirklichkeit nicht interessiert" seien. Er kritisierte zudem, dass diese Verbände "noch nie transparent und überprüfbar ihre tatsächliche Mitgliederzahl offen gelegt" hätten und somit nicht für sich beanspruchen könnten, "die große Mehrheit der hier lebenden türkischstämmigen Bürger zu vertreten".

Deutsch-türkischer Vorzeigeautor

Kavasoglu, der als türkischer Einwanderer für sein Engagement im Bereich der Integration mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, versteht seinen Verband als "moderne, auf die Erfordernisse der globalisierten Welt im 21. Jahrhundert" zugeschnittene Organisation. In einem ersten vorläufigen Statut ("Elf Gebote für Regierende") sind Grundprinzipien wie soziale Gerechtigkeit, ein ökologisch-nachhaltiges Wirtschaften und ein Eintreten gegen Rassismus und Gewalt skizziert.

Der 1945 in der Türkei geborene Nazmi Kavasoglu ist ein renommierter Autor, dessen Texte seit Jahrzehnten in deutschen Schulbüchern verwendet werden. Er lebt seit vielen Jahrzehnten in Deutschland und hatte sich im Jahr 2005 auch um den Posten des Migrationsbeauftragten der Bundesregierung beworben. (mit ddp)