Der Tagesspiegel : Internat sucht den Serienstar

Kinder-Casting beim ARD-Serienklassiker „Schloss Einstein“

Frauke Herweg

Potsdam. Kaum ein Wort bringt sie mehr raus. Unablässig dreht Jördis den Zettel mit Wartenummer 30 in den Hand. Gleich ist sie dran, gleich wird sich die schmale Elfjährige aus Köpenick beim Casting des ARD-Dauerbrenners „Schloss Einstein“ vorstellen. Gemeinsam mit rund 50 anderen Jungen und Mädchen in ihrem Alter wartet sie am Mittwochnachmittag im Flur der Babelsberger Askania Media, der Produktionsfirma der wöchentlichen Filme, die sich um ein Internat und seine Bewohner drehen. Drei Tage hat sie ihre Mutter genervt bis sie zu den Machern der Erfolgsserie fahren durfte. Jetzt, so kurz vor dem Ziel, verschlägt es ihr vorläufig die Sprache. Dabei wird sie im Castingraum vom Herstellungsleiter Peter Rothkopf gar nicht viel gefragt. Nur nach Alter, Hobbies und Schauspielerfahrungen. Nach zehn Minuten hat Jördis sein Büro wieder verlassen.

Ob sie genommen wird? Das entscheidet der Bauch von Rothkopf. Dramaturgiechef Dieter Saldecki, der Rothkopfs Auswahl später zu sehen bekommt, achtet dagegen gezielt auf die Augen. „Bei Soaps geht es um Dialoge, 70 bis 80 Prozent aller Bilder zeigen Gesichter“, sagt er. Rothkopf und Saldecki können sich vor Bewerbern kaum retten. 500 Jungen und Mädchen stellen sich jedes Jahr vor, zehn höchstens 14 werden genommen. Fast immer sind die Anwärter eingefleischte „Schloss Einstein“- Fans. Rund 90 Prozent der von der Kindersoap angepeilten Altersgruppe der Drei- bis 13-Jährigen kennen die Kultserie. „Wer hierher kommt, will bei Schloss Einstein dabei sein“, sagt Saldecki. Und nur da. Lust am Ruhm, die Shows wie „Deutschland sucht den Superstar“ möglich machen, stehe dabei meist im Hintergrud. Superstar und Einstein – das sind zwei Welten, sagt Saldecki. „Die haben nichts miteinander zu tun.“ Aber ein gemeinsames Ziel: Sie wollen Kinder und Jugendliche unterhalten. Bei „Schloss Einstein“ werden dazu, wie Saldecki sagt, „die konkreten Utopien der Kinder“ erzählt.

Bei Benjamin Trinks kommt das gut an. Der Zwölfjährige, der nach Jördis den Castingraum betritt, liebt die Internatsserie, weil sie „die Freiheit von den Eltern“ zeigt. In der Hoffnung auf eine Rolle, die ein wenig so ist, wie er sich im wirklichen Leben sieht – „gut in der Schule, leicht streberhaft“ – stellt auch er sich vor. Der Junge mit den strubbelig hellblonden Haaren ist fast ein Profi, drei Castings hat er bereits hinter sich, seit vier Jahren tritt er in einer Revue im Friedrichstadtpalast auf. „Man muss bei so einem Casting ganz spontan sein“, sagt er lässig. Aufgeregt ist er auch. „Ein bisschen“ zumindest.

Wenig später wird er aufgerufen, die Gruppe, mit der er den Castingraum betritt, bleibt länger bei Herstellungsleiter Rothkopf als ihre Vorgänger. Ab und zu klingt ein verhaltenes Lachen aus dem Zimmer. „Richtig schön war es“, sagt Benjamin, als er hinterher aus dem Zimmer kommt. Er strahlt erleichtert und nestelt eine Schloss-Einstein-Ansteckernadel, die er eben geschenkt bekommen hat, aus dem Papier. „Mal sehen, ob ich es schaffe“, sagt er. „Wir sind schließlich so viele.“

Weitere Castingtermine: 12. und 19. März, Askania Media Filmproduktion, August-Bebel-Straße 26-53, Potsdam-Babelsberg, 15-19 Uhr, Anmeldung nicht erforderlich. Kinder, die ohne Eltern kommen, müssen vorab einen Bewerbungsbogen unter 0331/72 15 100 anfordern.

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