Internet : Handel mit virtueller Mimik

Ein Augenzwinkern, dazu ein Lächeln - Das sagt mehr als tausend Worte und wird weltweit verstanden. Darf man sich das patentieren lassen? Ja, hat ein russisches Gericht entschieden.

Benedikt Baikousis
Emoticon
Ein Lächeln kostet nicht die Welt, oder doch?Foto: Tagesspiegel.de

BerlinEs geht um Emoticons. Virtuelle Mimik, die Gefühle oder Botschaften via Chat oder Email kurz und prägnant ohne tausend Worte vermitteln. Eben wie reale Mimik auch. Oleg Teterin, der Chef einer Werbeagentur aus Russland, hat sich nun die Markenrechte an einem bestimmten Emoticon gesichert, meldet Spiegel Online. Es geht um das Augenzwinker-Symbol, das sich aus Semikolon, Bindestrich und rechter Klammer zusammensetzt:

;-)

Private User dürfen jedoch aufatmen. Denn obwohl die russische Patentbehörde der in der Mobilfunkwerbung aktiven Firma Superfone das Markenrecht zugestanden hat, will er seine Ansprüche nur bei Unternehmen durchsetzen. Auch die anderen Emoticons hat Teterin im Visier. Schließlich, so der Unternehmer, seien Mimik-Symbole wie das Lächeln :-) kaum von seinem Augenzwinker-Emoticon zu unterscheiden.

Ärger in der russischen Internetwelt

"Das ist absurd", sagte Alexander Manis, Direktor einer Breitband-Internet-Firma dem Fernsehsender NTW. Man stelle sich nur vor, dass der nächste clevere Geschäftsmann die Markenrechte für die 33 Buchstaben des russischen Alphabets erwerbe. Klar, dass Teterins Geschäftsidee nicht auf Gegenliebe anderer russischer Netzunternehmen stößt.

Als Erfinder der Smileys gilt Scott Fahlman von der Carnergie Mellon University. 1982 hat der damalige Informatikstudent - heute ist er Professor - die Emoticons erfunden, um Missverständnissen vorzubeugen.