Internet-Räuber : Piraten sind käuflich – ganz legal

Helmut Schümann

Dem Piraten haftet, unabhängig aller unter seiner Flagge begangenen Schrecknisse, immer noch ein freibeuterisches Wesen an. Räuber und Dieb, mindestens das, ist er dennoch. Selbst wenn er nicht mörderisch mit der Kalaschnikow vor Somalia fischt, sondern friedlich von Schweden aus am Laptop im World Wide Web klaut. Und dennoch werden die Betreiber der Internettauschbörse „The Pirate Bay“ bei ihrer Namensgebung vor allem die Ungebundenheit, die große Freiheit vor Augen gehabt haben. Zumindest taten sie so, als ihnen im Februar der Prozess gemacht und im April – zunächst erstinstanzlich – wegen Verletzung des Urheberrechtes das Handwerk gelegt wurde. Zumindest war es plötzlich so, als würden die Streiter für das Recht auf die illegale Raubkopie von Musik, Software und Unterhaltungsfilmen auch die Freiheit des darbenden und twitternden Iran verteidigen. Man macht’s ja nicht darunter im virtuellen Freiheitsdrang – und muss nur geflissentlich übersehen, dass diese so vehement verteidigte virtuelle Grenzenlosigkeit auch zum Beispiel vor Kinderpornografie nicht haltmacht.

Gestern wurde in Stockholm der Preis des vermeintlichen Idealismus festgelegt: „The Pirate Bay“ ist verkauft und wird als legale und kommerzielle Plattform weitermachen. Ein Software-Unternehmen zahlte 5,5 Millionen Euro.

Das Verbrechen lohnt sich also doch? Nun sind 5,5 Millionen Euro im Vergleich zum milliardenschweren Verkaufswert anderer funktionsfähiger Internetseiten nicht einmal ein Peanut und dürften den verantwortlichen Piraten mal gerade ermöglichen, ihre nicht unerheblichen Prozesskosten zu decken.

Aber erstaunlich ist schon, dass ein Unternehmen, das Illegalität unterstützt und befördert und deswegen verurteilt ist, überhaupt noch einen Cent wert ist. Und erstaunlich ist auch, dass sich überhaupt jemand findet, der etwas kauft, das auch ohne Schwarzmalerei nichts mehr wert ist. Als „Pirate Bay classic“ sozusagen, als Börse der kostenlosen Raubkopie, darf auch der neue Betreiber sich konsequenterweise nichts ins Netz stellen. Und als kommerzielles Unternehmen, bei dem die Filme, die Software, die Musik gegen eine adäquate Gebühr heruntergeladen werden können, wird es nichts wert sein. Die Community der hemmungslosen Raubkopierer zieht dann nämlich einfach weiter und sucht sich neue, kostenlose und illegale Börsen. Piraten gibt es wie Sand am Meer.Helmut Schümann

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