Internet-Spionage : China bestreitet Hacker-Attacke auf Pentagon

Computerspezialisten des chinesischen Militärs sollen in das Computernetzwerk des US-Verteidigungsministeriums eingedrungen sein. China wies den Vorwurf als "grundlose Anschuldigung" prompt zurück.

London Rätselhafter Hacker-Angriff auf das Pentagon in Washington: Hinter einem Eindringen in Computer des US-Verteidigungsministeriums im vergangenen Juni sollen nach einem Bericht der "Financial Times" Spezialisten des chinesischen Militärs stecken. China wies das als "grundlose Anschuldigung" zurück. Das britische Blatt hatte unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, dass die chinesische Volksbefreiungsarmee bei einer internen Untersuchung als Ursprung der Attacke ermittelt worden sei. Erst vor kurzem hatten angebliche chinesische Angriffe auf deutsche Regierungscomputer für Aufregung gesorgt.

US-Verteidigungsminister Robert Gates hatte am 21. Juni eingeräumt, dass nach dem Cyber-Angriff auf das Pentagon rund 1500 Computer abgeschaltet wurden. Betroffen seien auch Teile des E-Mail-Systems mit nicht vertraulichen Mails in seinem Büro gewesen. Das Pentagon werde jeden Tag mehrere hundert Mal über das Internet angegriffen, sagte Gates. Er kündigte nach dem Angriff eine Untersuchung an. Auf die Frage, ob auch sein eigenes E-Mail-Konto betroffen gewesen sei, antwortete Gates damals: "Ich schreibe keine E-Mails".

Technischer Ausfall über mehrere Tage

Wie die "Financial Times" weiter berichtete, wurden bei dem Hacker-Angriff Teile des Computersystems im Büro von Gates zum Absturz gebracht. Der technische Ausfall im Büro des Ministers habe mehrere Tage gedauert. "Die Volksbefreiungsarmee hat gezeigt, dass sie fähig ist, mit ihren Attacken unsere Systeme lahmzulegen (...) und dass sie sich in einer Konfliktsituation wieder einschalten und in großem Umfang stören kann", sagte ein namentlich nicht genannter früherer Regierungsbeamter dem Blatt.

Nach dem Angriff vom Juni sagte Pentagon-Sprecher Gary Keck, dass über das normale E-Mail-System im Pentagon nur "Routine-Mails" über administrative Angelegenheiten und keine geheimen Informationen über Militäroperationen versendet würden.

Angriffe auch auf Deutschland

Bei einer Kongressanhörung Mitte Juni war bekannt geworden, dass es Hackern gelungen war, in Datenbanken des Heimatschutzministeriums einzudringen. Am 12. Juli berichteten US-Medien über einen elektronischen Einbruch in Computer des Außenministeriums. Die Hacker hatten es dabei auf Büros abgesehen, die sich mit China und Nordkorea beschäftigen.

Erst vergangene Woche waren Berichte über umfangreiche Angriffe auf deutsche Regierungsrechner ein Thema beim Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in China. Ministerpräsident Wen Jiabao hatte Merkel zugesagt, "entschlossene Maßnahmen einzuleiten, um Hackerangriffe auszuschließen". Zu Vermutungen, dass das chinesische Militär hinter den Spionageversuchen stecken könnte, äußerte sich Wen Jiabao nicht. (mit dpa)