Internet und Mobilfunk : Telekom lockt mit vermeintlicher Billigmarke Congstar

Mit der Billigmarke Congstar will sich die Telekom im Bereich Mobilfunk und Internet auf dem hart umkämpften Telekommunikationsmarkt behaupten. Experten sehen durch die Angebote aber kaum Ersparnis für Verbraucher.

Congstar
Mit der neuen Billigmarke Congstar will die Telekom den Discountern den Kampf ansagen. -Foto: dpa

KölnMit einer neuen Billigmarke für Handy und Internet will die Deutsche Telekom vor allem junge Menschen als Kunden gewinnen. Mit der offiziell vorgestellten Marke namens Congstar will die Telekom mit anderen Discount-Anbietern wie Base oder Simyo konkurrieren. Congstar bietet wie andere Angebote auch ein Baukastensystem frei zusammenstellbarer Flatrates für Surfen und Mobilfunk, wie Congstar-Mitgeschäftsführer Alexander Lautz bei der Vorstellung der Tarife ankündigte. Neu ist Verbraucherschützern zufolge allerdings der gleichzeitige Verzicht auf Mindestvertragslaufzeiten. Die Telekom kämpft vor allem bei jungen Kunden damit, kein modernes Image zu haben.

Typische Kunden sieht Congstar bei jungen Kunden, die viele SMS-Kurznachrichten senden, große Daten-Mengen aus dem Internet laden oder viel mit mit Freunden in einem Mobilfunknetz telefonieren. Diese jungen Kunden will Congstar außerdem in einem bunten Markendesign erreichen. Die Telekom war beim Internet bereits mit der fast gleichlautenden Billigmarke Congster am Markt. Congstar verzichtet nach eigenen Angaben im neuen Firmennamen absichtlich auf das Konzern-T. Das Unternehmen wolle die Kunden ansprechen, die der Mutterkonzern nicht erreicht.

Simyo-Chef: Keine Angst vor Congstar

Die Konkurrenz sieht der Offensive der Telekom gelassen entgegen. Der Chef und Gründer des Mobilfunk-Discounters Simyo, Rolf Hansen, erwartet, dass die Telekom viel Geld investieren muss, um die Marke in der Öffentlichkeit zu etablieren. "Die Telekom wird extrem viel Geld in die Hand nehmen müssen, um die Marke bekannt zu machen", sagte Hansen, Gründer des Mobilfunk-Discounters Simyo, im Gespräch mit dem Tagesspiegel. "Es wird schwer für sie werden, einen signifikanten Marktanteil zu erreichen." Die Kunden würden in dem gesättigten Markt "zu 40 Prozent oder mehr" von der Telekom kommen. "Ich glaube nicht, dass Leute von Simyo zu Congstar wechseln werden. Außerhalb der Flatrates ist ein Minutenpreis von 19 Cent teuer", sagte Hansen.

Für den Markt siehr er noch Raum für weiteres Wachstum, Raum für Preissenkungen sieht er dagegen im Moment nicht. "Unter den gegebenen Preisen, zu denen wir einkaufen, gibt es keinen Spielraum nach unten", sagte Hansen dem Tagesspiegel.

Congstar kaum günstiger als Konkurrenz

Im Mobilfunk verlangt die neue Telekom-Tochter ohne Grundpreis 19 Cent je Minute für Gespräche in das Festnetz und alle Mobilfunknetze, ebenfalls 19 Cent für den SMS-Versand. Gegen Zuzahlungen können Kunden Flatrates für Anrufe in das Festnetz sowie jeweils für Anrufe und SMS-Versand in die verschiedenen Handy-Netze dazu buchen. Für das Internet bietet Congstar Flatrates ab 14,99 Euro an. Alle Angebote können zwei Wochen zum Monatsende gekündigt werden. Für Telefonate im Ausland sollen die Handys nach sechs Wochen freigeschaltet werden. Geplant ist den Angaben zufolge auch der Verkauf von Handys.

Bei den Telefongebühren ist Congstar nach Berechnungen von Teltarif kaum billiger als die Konkurrenz der Discount-Anbieter. Wer sämtliche Gespräche innerhalb der Landesgrenzen zum Flatrate-Tarif führen wolle, zahle am Ende des Monats 85 Euro. Bei der E-Plus-Tochter Base oder freenetMobile kosteten solche Vollpauschalen jeweils knapp 90 Euro im Monat. Bei Base erhielten derzeit zumindest Online-Bucher außerdem noch ein Jahr lang eine SMS-Pauschale für SMS-Sendungen im E-Plus-Netz ohne Aufpreis hinzu.

Wer sparen will, muss genau rechnen

Dass Congstar auf lange Vertragslaufzeiten verzichtet, führt Tarifexperte Martin Müller von Teltarif darauf zurück, dass große Teile der Kunden erkannt hätten, dass die Preise weiter sinken würden. Damit hätten sie kein Interesse mehr daran, sich für zwei Jahre an einen Anbieter zu binden. Die heute gängigen Komplettangebote, bei denen zum Zwei-Jahresvertrag auch noch ein neues Handy mitgeliefert wird, lohnten sich beim Nachrechnen meistens nicht.

Wer mit Congstar aber Geld sparen wolle, müsse seine Telefongewohnheiten genau kennen und damit das von ihm gewählte Tarifpaket monatlich überprüfen, sagte Müller. Andernfalls würde die Rechnung am Ende des Monats eher auf dem Niveau der bereits bestehenden Anbieter liegen. Für Wenigtelefonierer könne es zudem womöglich auch weiterhin günstiger sein, Pre-Paid-Karten zu kaufen. (mit AFP / Tsp)