Internet : Yahoo-Chef Semel geht - Yang kommt zurück

Der Chef des Internet-Riesen Yahoo, Terry Semel, hat nach Misserfolgen im Konkurrenzkampf mit Google seinen Posten aufgeben. Sein Nachfolger wird Yahoo-Mitbegründer und Vorstandsmitglied Jerry Yang.

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Yahoo-Mitbegründer Jerry YangFoto: dpa

SunnyvaleDer Internet-Riese Yahoo zieht nach andauernder Schwäche im Konkurrenzkampf mit Google die Reißleine: Konzernchef Terry Semel ist nach sechs Jahren zurückgetreten und wird von Mitgründer Jerry Yang (38) abgelöst. Der 64-jährige Semel, eine frühere Hollywood-Filmstudio-Größe, stand unter massivem Beschuss der eigenen Aktionäre und vieler Internetfachleute. Er fand kein Gegenmittel, um den Siegeszug des lukrativeren und schneller wachsenden Internet-Suchmaschinenbetreibers Google zu stoppen. Semel, der bisher in Personalunion Konzern- und Verwaltungsratschef war, bleibe Vorsitzender des Verwaltungsrates, teilte Yahoo mit.

Die frühere Yahoo-Finanzchefin und kürzlich zur Leiterin der enorm wichtigen Werbesparte avancierte Susan Decker (44) wurde zur Yahoo-Präsidentin ernannt. Sie galt bisher als mögliche Nachfolgerin von Semel, doch zog der Verwaltungsrat Yang als neuen Konzernchef vor. Yang betont, dass er nicht auf Interimsbasis die Führung übernommen habe, sondern langfristig.

Spekulationen über Verkauf

Der Internet-Riese Yahoo sieht sich auch immer populäreren Internet-Sites wie MySpace und Facebook gegenüber, die ebenfalls zunehmend in großem Stil Online-Werbeeinnahmen für sich verbuchen. Hinzu kamen Verzögerungen bei der Einführung der neuen Suchmaschinen-Werbetechnologie "Panama" und personelle Querelen in der Yahoo-Spitze.

Der Machtwechsel hat sofort Spekulationen über einen möglichen Yahoo-Verkauf oder eine andere Kombination mit anderen großen Internet-Mitspielern aufkommen lassen. Yahoo hatte bereits früher mit Microsoft, mit dem weltgrößten Medienkonzern und AOL-Besitzer Time Warner sowie eBay über mögliche Deals gesprochen.

Yang hatte Yahoo vor zwölf Jahren gemeinsam mit David Filo gegründet. Beide sind noch Großaktionäre mit milliardenschweren Aktienpaketen. Yang hatte die Gesellschaft zu einem der am meisten besuchten Web-Portale gemacht. Er hatte sich zwischenzeitlich vor allem der Unternehmensstrategie gewidmet. Er muss jetzt versuchen, die Lücke zu Google zu schließen und mit Innovationen Yahoo wieder auf starken Wachstumskurs zu steuern.

Semel hatte Yahoo nach dem Platzen der Internet-Börsenblase zu Beginn des Jahrzehnts auf Vordermann gebracht. Verwaltungsratsmitglied Ed Kozel hob hervor, dass der Umsatz unter Semel seit 2001 um das neunfache auf 6,4 Milliarden Dollar gestiegen sei. Für seine Tätigkeit bei Yahoo heimste Semel der Onlineausgabe der "New York Times" zufolge insgesamt 451 Millionen Dollar in Form von Aktienoptionen und sonstigen Bezügen ein, womit er einer der am höchsten bezahlten amerikanischen Führungskräfte sei.

"Unschlagbares Team"

Die Yahoo-Aktien waren im vergangenen Jahr nach langem Höhenflug um 35 Prozent gefallen. Nach Bekanntgabe des Führungswechsels legten sie nachbörslich um 3,56 Prozent auf 29,12 Dollar zu. Sie waren damit insgesamt mehr als 38 Milliarden Dollar wert. Die Google-Aktien haben einen Gesamtwert von 160,5 Milliarden Dollar.

Semel nannte Yang einen Internet-Visionär und die neuen Yahoo-Spitzenmanager Yang und Decker ein "unschlagbares Team". Er räumte ein, dass natürlich niemand mit den jüngsten finanziellen Leistungen des Unternehmens zufrieden sei. Yahoo habe aber weiterhin enorme fundamentale Stärken.

Yahoo erhöhte den Umsatz im ersten Quartal 2007 nur noch um sieben Prozent auf 1,7 Milliarden Dollar. Der Gewinn fiel um elf Prozent auf 142 Millionen Dollar. Google steigerte den Quartalsgewinn hingegen gegenüber dem entsprechenden Vorjahresabschnitt um 69 Prozent auf 1,0 Milliarden Dollar. Der Umsatz erhöhte sich um 63 Prozent auf knapp 3,7 Milliarden Dollar. Google kam im ersten Quartal nach Branchenschätzungen in den USA bei Internetsuchen auf einen Anteil von 48 Prozent gegenüber 28 Prozent für Yahoo und elf Prozent für Microsoft. (mit dpa)