Interview : "Kein Wachstum um jeden Preis"

Die 59. Frankfurter Buchmesse steht vor einem Ausstellerrekord. Rund 1000 Autoren präsentieren sich auf etwa 2500 Veranstaltungen. Doch Buchmessen-Direktor Juergen Boos bleibt gelassen.

Juergen Boos
Buchmesse-Chef Juergen Boos. -Foto: dpa

Frankfurt/MainDie Buchmesse ist dieses Jahr erneut voll ausgebucht und scheint am Ende ihrer Kapazitäten angelangt. Müssen Sie künftig neue Hallen anmieten? Wie geht es weiter?



Wie jede Messe will auch die Frankfurter Buchmesse wachsen, nur eben nicht um jeden Preis. Qualität geht eindeutig vor Quantität. Wir wollen Ausstellern und Messebesuchern möglichst optimale Bedingungen und eine hohe Servicequalität bieten. Die Aufteilung der Messehallen auf dem Frankfurter Messegelände und das seit einigen Jahren etablierte Hallenkonzept der Buchmesse lässt weiteres Flächenwachstum nur sehr bedingt zu. Mit der Fertigstellung der neuen Messehalle 11 ist jedoch erst ab 2009 zu rechnen.

Die Buchmesse sieht sich als "gigantisches Kulturfest" und weltweit "bedeutendste Medienmesse". Jetzt engagieren Sie sich auch noch verstärkt auf dem Bildungssektor und im Kampf gegen das Analphabetentum. Verzettelt sich die Buchmesse mit ihren vielen Aktivitäten dabei nicht?

Nein, das tut sie nicht. Sie spiegelt vielmehr in den rund 2500 auf der Buchmesse stattfindenden Veranstaltungen die ganze Vielfalt der Buchbranche und ist Plattform für alle Facetten des Medien- und Literaturbetriebes. Dieses Rezept macht Frankfurt so erfolgreich. Die überwiegende Mehrheit der Veranstaltungen wird von den ausstellenden Verlagen und Firmen ausgerichtet. Wir selbst können und wollen als Messeveranstalter nur ganz ausgewählte Akzente setzen. Neben unserem jährlichen Ehrengast verdienen weitere Themen auf der Buchmesse besondere Aufmerksamkeit: Das sind meines Erachtens der Dialog der Kulturen anstelle von Ausgrenzung, die Freiheit des Wortes statt Zensur sowie das Zukunftsthema Nummer eins: Bildung, zum dem auch Alphabetisierung und Leseförderung gehören. Diese gesellschaftspolitischen Themen sind immer auch Branchenthemen, denn die Ware Buch ist von ihren kulturellen und politischen Inhalten nicht zu trennen.

Frankfurt gilt im weltweiten Lizenzhandel bei Büchern immer noch als führend. Eine Bankenstudie sieht jedoch die Londoner Buchmesse immer stärker auf dem Vormarsch. Was muss Frankfurt tun, um nicht ins Hintertreffen zu geraten?

Frankfurt bleibt als internationale Leitmesse der Buch- und Medienbranche auf klarem Erfolgskurs. Wir haben dieses Jahr aufgrund der hohen Nachfrage aus der ganzen Welt unser literarisches Agenten-Zentrum erneut deutlich vergrößert. Nur in Frankfurt kommen einmal im Jahr so viele Rechtehändler und Verleger aus allen fünf Kontinenten zusammen. Das macht Frankfurt so einzigartig, bedeutend und erfolgreich - für den einzelnen Aussteller und auch für die Branche insgesamt. Wesentlich kleinere Buchmessen wie Bologna, Leipzig, London oder Peking sind für Teile der Branche ebenfalls wichtig, weil sie sich auf bestimmte Märkte, Territorien oder Themen konzentrieren. Eben deshalb engagieren wir uns auch außerhalb von Frankfurt und unterstützen und beraten beispielsweise die Buchmessen in Abu Dhabi und Kapstadt.

Interview: Thomas Maier, dpa