Investitionen : Japans Großindustrie ist in Kauflaune

Die Industrie in Japan will kräftig investieren. Der Takan-Bericht der Bank of Japan sieht die Stimmung unter den Managern des Landes weiterhin auf einem Höchstwert.

Japan Industrie
Die Großindustrie Japans will ihre Investitionen nochmals steigern. -Foto: AFP

TokioDie japanische Industrie will ihre Investitionen im laufenden Geschäftsjahr weiter aufstocken. Wie aus dem vorgelegten und weltweit beachteten Tankan-Bericht der Bank von Japan (BoJ) hervorgeht, sollen die Kapitalausgaben der Großindustrie im bis 31. März 2008 laufenden Berichtsjahr um elf Prozent zum Vorjahr steigen. Die Stimmung in den Manageretagen großer Industriekonzerne verharrte indessen im zweiten Quartal des laufenden Kalenderjahres auf dem fast höchsten Stand seit zwei Jahren. Das Tankan-Ergebnis schürte die Erwartung unter Analysten, dass die BoJ voraussichtlich im August die Leitzinsen um weitere 0,25 Prozentpunkte anheben wird. Derzeit liegt der Tagesgeldsatz der BoJ bei 0,5 Prozent und damit auf dem niedrigsten Niveau unter allen führenden Wirtschaftsnationen.

Der von der Zentralbank ermittelte Stimmungsindex der Großindustrie lag in den drei Monaten zum Juni unverändert bei 23 und damit nahe dem im Dezember erreichten Zwei-Jahres-Hoch von 25. Ein positiver Index bedeutet, dass die Optimisten in der Mehrheit sind. Das Umfrageergebnis war von Analysten erwartet worden. Auch der Stimmungsindex für die großen Dienstleistungsunternehmen des Landes blieb unverändert, und zwar bei 22, wie die Zentralbank der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt mitteilte. Regierungssprecher Yasuhisa Shiozaki fand in dem Umfrageergebnis die Einschätzung der Regierung bestätigt, dass die Wirtschaft angesichts steigender Investitionen und hoher Gewinne der Konzerne weiter "stetig wächst".

Investitionsrückgang bei kleineren und mittleren Unternehmen

Die großen Unternehmen aller Industriesektoren wollen im laufenden Geschäftsjahr im Schnitt 7,7 Prozent mehr in Anlagen und Ausrüstungen investieren als im Vorjahr. Schlechter sieht es dagegen bei der Mehrheit der kleinen und mittelständischen Unternehmen aus: Sie wollen ihre Investitionen deutlich um 16,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr kürzen. Das spiegelt sich auch in der Stimmung der Manager wider. Der Stimmungsindex für kleine und mittlere Industriebetriebe sank auf 6 nach 8 im März und damit im zweiten aufeinander folgenden Quartal. Bei nicht produzierenden Betrieben sank er auf minus 7 nach minus 6 drei Monate zuvor. Damit sind die Pessimisten weiter in der Mehrheit. Im laufenden Quartal wird eine weitere Verschlechterung erwartet.

Die großen Industrieunternehmen rechnen mit einem Rückgang des Stimmungsindex von 23 auf 22. Bei den großen nicht produzierenden Unternehmen ist es andersherum: Sie erwarten einen Anstieg von 22 auf 23. Der alle drei Monate erstellte "Tankan"-Bericht zum Geschäftsklima ist eine umfassende Mischung aus Konjunkturanalyse und Stimmungsbericht. Detailliert beantworten rund 10.000 Unternehmen Fragen nach ihren Lagerbeständen, Zwischengewinnen oder zu erwartenden Verlusten sowie zu ihren Investitions- und Personalplänen. "Tankan" ist eine Abkürzung für "kigyo tanki keizai kansoku chosa", was sich mit "Untersuchung zur kurzfristigen Konjunktureinschätzung der Unternehmen" übersetzen lässt. (mit dpa)