Der Tagesspiegel : Investor in Brand verspricht: Für 50 Euro in die Tropen 28 GRAD RUND UM DIE UHR

Genehmigung zum Umbau der Cargolifter-Halle in eine Dschungellandschaft ist erteilt Colin Au will am 2. Oktober eröffnen und hofft auf drei Millionen Besucher pro Jahr

Claus-Dieter Steyer

Brand. Die größte Hürde für den Umbau der Cargolifter-Halle bei Brand in eine tropische Dschungellandschaft ist am Montag genommen worden. Erwartungsgemäß erteilte der Landkreis Dahme-Spreewald der malaysisch-britischen Investorengruppe Colin Au/Tan Kong Han die Baugenehmigung. Landrat Martin Wille sprach bei der Übergabe der Dokumente für die Innengestaltung und die Außenanlagen von „einem großen Tag für Brandenburg“. Seine Verwaltung habe Tag und Nacht gearbeitet, um diese Chance für die einst für den Bau von großen Luftschiffen errichtete Halle sinnvoll zu nutzen. Die Cargolifter AG hatte im Sommer 2002 Insolvenz angemeldet. Ihr Inventar war im Oktober versteigert worden.

Der 54-jährige Colin Au, der als Präsident der gleichnamigen Aktionsgesellschaft vorsteht, gab sich zuversichtlich. „Alle Menschen, die sich keine teure Reise in die Tropen leisten können, haben bald eine billige Alternative“, sagte er. „60 Kilometer südlich Berlins finden sie eine Attraktion, in der zwölf Stunden am Tag die Sonne scheint“ – und sei das Licht künstlich. Der Geschäftsmann aus Malaysia, der nach eigenen Worten weltweit zahlreiche Hotels und Freizeitanlagen besitzt, ließ keinen Zweifel an seiner prognostizierten Besucherzahl von zweieinhalb bis drei Millionen Menschen pro Jahr. „Im Umkreis von drei Stunden um Brand leben acht Millionen Deutsche und Polen, die auf jeden Fall einmal vorbeischauen werden“, sagt Au. „Dazu kommen Neugierige aus ganz Europa“. Die Eintrittspreise sollten „sehr interessant“ sein: Eine Familie mit zwei Kindern komme schon für 50 Euro in die Tropenwelt.

Die erteilte Baugenehmigung ist noch an drei Auflagen gebunden: So müssen die Investoren die Erschließung des Geländes verbessern, einen ausreichenden Brandschutz und die Einhaltung des erlaubten Energieverbrauchs nachweisen. „Aber alle Forderungen stellen kein Problem dar“, versicherte der Geschäftsführer der „Tropical Island Management GmbH“, Joachim Hagemann. „Wir eröffnen am 2. Oktober 2004.“ Dieser Termin sei auch nicht von der Bewilligung von Fördermitteln durch die Landesinvestitionsbank abhängig. „Wir setzen 70 Millionen Euro um und sind im Moment nicht auf Mittel des Landes und des Bundes angewiesen.“ Hagemann bestätigte, dass das Unternehmen Fördermittel für den Innenausbau, die Außenanlagen und die Infrastruktur auf dem Gelände beim Land beantragte. Das sei das Recht jedes Unternehmens. Über die Höhe der gewünschten Fördermittel wollte Hagemann keine Auskünfte geben. „Hier handelt es sich schließlich um ein privates Engagement“, meinte Hagemann zur Begründung. Nur für den Kauf der Cargolifter-Halle seien keine Fördermittel genutzt worden: 17,5 Millionen Euro zahlte Colin für den 302 Meter langen, 210 Meter breiten und 107 Meter hohen Koloss und das 550 Hektar große Außengelände.

Der Insolvenzverwalter der Cargolifter AG, Rolf-Dieter Mönning, lobte die Brandenburger Behörden für die „phantastisch schnell erteilte Baugenehmigung“. Er erinnerte an den Passus im Kaufvertrag mit Colin Au, dass auf dem Gelände in Brand auch der Luftschiffbau eine Zukunft erhalten könnte. Es wäre Platz für eine kleine Halle, sagte Mönning. Aber bislang halte sich das Interesse an der einst von Cargolifter verfolgten Technologie in engen Grenzen. „Sie war schließlich schon von der Cargolifter-Spitze selbst aufgegeben worden“, meinte Mönning. Er sehe lediglich Chancen für große Ballons, die die Militärs nutzen könnten. Aber konkrete Zusagen von Unternehmen lägen ihm nicht vor. „Vorrang hat jetzt eindeutig Tropical Island.“ Er selbst habe Colin Au geraten, Fördermittel beim Land Brandenburg abzufordern. „Sie erhält jeder dritte Unternehmer in Brandenburg, warum sollte Herr Au also darauf verzichten?“

In der Region am Rande des Spreewaldes hat das Projekt schon jetzt ein großes Interesse ausgelöst. Über 800 Bewerbungen auf einen Job seien bislang eingetroffen, teilte Geschäftsführer Hagemann mit. Dabei sei noch keine einzige Stellenanzeige geschaltet worden. Zur Eröffnung in acht Monaten sind 500 Arbeitsplätze vorgesehen. Nach dem Abschluss des kompletten Ausbaus und dem Bau von Hotels mit insgesamt 1000 Betten in einigen Jahren sollen hier 2500 Menschen eine Arbeit finden. Um den erwarteten Besucheransturm zu bewältigen, ist eine Brücke über die am Gelände vorbeiführende Eisenbahnstrecke Berlin–Dresden vorgesehen. Autofahrer aus dem Zentrum Berlins würden Tropical Island auf der Autobahn A 13 in rund 60 Minuten erreichen.

24 Stunden am Tag 28 Grad Celsius, 60 Prozent Luftfeuchtigkeit sowie Palmen, Sandstrände und ein großes Badebecken mit etwas salzhaltigem Wasser – so soll „Tropical Island“ ab 2. Oktober die Besucher in die acht Fußballfelder große Halle locken. Unter anderem sind ein 1,2 Kilometer langer Dschungelpfad auf einen 13 Meter hohen Berg und am Seeufer 1000 Liegestühle vorgesehen. Im tropischen Garten findet der Gast traditionelle Häuser aus Malaysia, Bali, Polynesien, dem Kongo, Thailand und dem Amazonas-Gebiet. Dort werden landestypische und deutsche Gerichte angeboten. Die Gastronomieplätze reichen für 3000 Personen. Allabendlich soll es Revuen mit 160 Künstlern geben. Ste.

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