Inzest-Fall : Stahltür gibt Rätsel auf

Im Inzest-Fall im österreichischen Amstetten prüft die Polizei nun, ob Josef Fritzl Komplizen hatte. Die österreichische Polizei vermutet, dass der 73-Jährige Hilfe beim Einbau einer schweren Stahlbetontür im Keller hatte, hinter der er seine Opfer versteckt hielt.

AmstettenDie elektronisch gesteuerte Kellertür aus Stahlbeton, hinter der der Österreicher seine Tochter E. laut eigenem Geständnis 24 Jahre lang im Keller einsperrte und sexuell missbrauchte, hat die österreichischen Ermittler misstrauisch gemacht.

"Wir haben ein Gutachten zu dieser imposanten Tür und ihrem Schließmechanismus angefordert", sagte der Leiter des Landeskriminalamtes von Niederösterreich, Franz Polzer, am Dienstag. Die Polizei versuche herauszufinden, ob oder wie ein einzelner Mann diese habe einbauen können.

Gefangen im Atombunker

Das rund 60 Quadratmeter große Kellerverlies unter seinem Haus hatte Josef Fritzl Ende der 1970er Jahre mit Genehmigung der Behörden als Schutzraum gegen Atombombenanschläge gebaut. Es sollte ursprünglich aus nur einem Raum bestehen. Weitere Räume seien jedoch nach der Geburt der Kinder hinzugefügt worden, sagte Polzer.

Josef Fritzl zeugte insgesamt sieben Kinder mit seiner Tochter. Drei der Kinder wuchsen im Keller auf, drei weitere wurden von Josef Fritzl und seiner Frau adopotiert und aufgezogen. Ein siebtes Kind starb kurz nach der Geburt.

Nachbarn haben nichts bemerkt

Mehrere hundert Anwohner setzten am Dienstagabend mit einer Nachtwache in Amstetten ein Zeichen der "Zuversicht". Eltern von Kindern der örtlichen Klosterschule hatten zu der Veranstaltung aufgerufen, bei der der Hauptplatz der Stadt in ein "Lichtermeer" verwandelt werden sollte.

Amstetten wolle damit zeigen, dass es keine Stadt der Verbrecher sei, sagte Bürgermeister Herbert Katzengruber der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Die rund 23.000 Einwohner der Stadt hatten wiederholt gesagt, nichts von dem Martyrium der E. Fritzl mitbekommen zu haben. (iba/AFP)