Inzestfall in Polen : Beweise gegen Vater liegen vor

In Polen ist ein Mann festgenommen worden, dessen mutmaßliche Verbrechen stark an den Inzest-Skandal im österreichischen Amstetten erinnern. Der 45-Jährige soll seine Tochter sechs Jahre lang eingesperrt, sexuell missbraucht und zwei Kinder mit ihr gezeugt haben. Die Staatsanwaltschaft bestätigt den Fall.

WarschauDer Mann wurde nach Angaben der Polizei in der östlich von Warschau gelegenen Stadt Siedlce festgenommen, als er versuchte nach Italien zu fliehen. Er wurde wegen Verdachts der Vergewaltigung und der Freiheitsberaubung zunächst für drei Monate inhaftiert.

Die heute 21-jährige Tochter war nach Angaben eines Polizeisprechers in der vergangenen Woche zusammen mit ihrer Mutter in der ostpolnischen Stadt Siemiatycze zur Polizei gegangen. Sie gab an, seit ihrem 14. Lebensjahr von ihrem Vater im Haus gefangengehalten und wiederholt vergewaltigt worden zu sein. In den Jahren 2005 und 2007 brachte sie den Angaben zufolge zwei Kinder zur Welt, die sie zur Adoption freigab. Sie seien "wahrscheinlich" bei den Vergewaltigungen gezeugt worden, sagte der Sprecher weiter. Die Frau sagte demnach aus, ihr Vater habe sie gezwungen, die Kinder wegzugeben. Zur Entbindung habe er sie begleitet. Ihr Vater habe ihr das "Leben zur Hölle" gemacht, sagte der Ermittler Jacek Dobrzynski im polnischen Fernsehen.

Wie die Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilte, liegen Beweise für einen Teil der Straftaten vor. Danach soll der 45-Jährige seine Tochter im Jahr 2002 zwei Wochen lang und in diesem Jahr mehr als eine Woche lang eingesperrt und missbraucht haben. Das Opfer sei in einem Zimmer ohne Klinke gefangenen gehalten worden.

Vater sagt aus, Tochter habe ihn gezwungen

Laut des Fernsehsenders TVP Info hat der Vater bereits zugegeben, seine Tochter sexuell missbraucht zu haben. Er soll allerdings ausgesagt haben, dass die Tochter ihn dazu aufgefordert oder sogar gezwungen habe. Die Staatsanwaltschaft wollte zu diesen Berichten keine Stellung nehmen.

Ende April hatte der Fall des 73-jährigen Österreichers Josef F. weltweit für Bestürzung gesorgt. F. hatte 24 Jahre lang seine Tochter E. in ein Kellerverlies seines Hauses in Amstetten gesperrt, sie dort regelmäßig missbraucht und mit ihr sieben Kinder gezeugt, von denen eins kurz nach der Geburt starb. Drei der überlebenden Kinder wurden von ihm und seiner Frau in ihrem Haus aufgezogen, die anderen mussten mit ihrer Mutter im Keller leben. Erst die Einlieferung der schwer erkrankten ältesten Tochter K. ins Krankenhaus am 19. April brachte das Verbrechen ans Tageslicht. (feh/ut/dpa/AFP)