iPhone-Hype : Technik-Freaks stürmen die Läden

Für viele Technik-Freunde hat das lange Warten ein Ende. Manche haben 48 Stunden vor den Elektronikmärkten in New York campiert - es kam zu einem wahren Ansturm.

Roland Fre
iPhone
Der große Ansturm: Jagd auf die begehrten iPhones -Foto: AFP

New YorkKurz nach 18 Uhr findet für Mark Conn das monatelange Warten endlich sein ersehntes Happy End. Als einer der ersten Besitzer des neuen Apple-Handys iPhone kämpft sich der 44-Jährige stolz durchs Gedränge im New Yorker Apple-Shop hinaus auf die Fifth Avenue. "Die lange Zeit war fast wie eine Schwangerschaft", sagt er strahlend - auch wenn die Ankündigung des neuen Multimedia-Geräts durch Apple-Chef Steve Jobs nur sechs Monate zurückliegt. Ganz egal, an diesem Abend zählt für Conn und andere Technik-Freaks nur das, was die Werbung verspricht: "iPhone - it's my phone!"

Um die frohe Botschaft im Blitzlichtgewitter sofort Freunden und Verwandten in aller Welt mitzuteilen, greifen die meisten aber noch einmal kurz zu ihrem alten Handy. Denn das iPhone kann statt im Laden am eigenen Computer freigeschaltet werden - für viele die bequemere Variante angesichts des Gewühls. Die kurze Mitteilung des überglücklichen Teenagers Bradley Fishel an seine Mutter: "Ich liebe Dich, weil Du mir das iPhone gekauft hast."

48 Stunden campiert

Mark Conn flitzt unterdessen nach Hause - übernächtigt nach gut 48 Stunden Campieren im Freien mit abwechselnd Hitze und Gewittern. Keine Stunde nach seinem Glückskauf kann der Verwaltungsangestellte vom Computer aus berichten: "Die Aktivierung ging ganz schnell und einfach. Es funktioniert perfekt!"

Überall im Land bildeten sich lange Schlangen vor den Geschäften. Das iPhone ist landesweit in rund 200 Apple-Stores und 1800 Läden des Telefonkonzerns und exklusiven Apple-Partners AT&T zu haben. "Das Warten hat sich gelohnt", jubelte Investmentbanker Stephen Easley (49) in Arlington im US-Bundesstaat Virginia und küsste seine Neuerwerbung. Prompt rutschte ihm dabei vor lauter Überschwang das wertvolle Stück fast aus der Hand.

Von der Konkurrenz beäugt

Unter den im ganzen Land Wartenden versteckten sich auch einige Spione von Konkurrenten und Technik-Instituten, die die wertvollen iPhones schnell in Einzelteile zerlegen und unter die Lupe nehmen wollen.

Den stolzen Preis von - je nach Speicherkapazität - rund 500 oder 600 Dollar (370 bis 443 Euro) hält Conn für völlig okay. "Das iPhone ist alles in einem: Telefon, Internet, Musikplayer - das zusammen ist mehr wert als 600 Dollar." Seine 21-jährige Tochter sehe das etwas anders: "Sie ist von meiner Begeisterung recht genervt", meinte er.

Medienereignis Warteschlange

Apple-Chef Steve Jobs hatte versprochen, mit dem iPhone das Telefon neu zu erfinden. Das bekamen die ersten Anwender gleich zu spüren: Statt der herkömmlichen Tastatur wird das Handy über einen berührungsempfindlichen Bildschirm ("touchscreen") gesteuert. "Das gefällt mir besser als normale Tastaturen und ist überhaupt nicht schwierig", meinte Lobl nach ersten Tippversuchen. Auch laut Apple lässt sich das alles binnen weniger Tage spielerisch erlernen.

Seit Jahresbeginn hatte der Computer- und iPod-Hersteller den Hype um die iPhone-Premiere immer weiter angeheizt: mit Werbespots, gezielt gestreuten Info-Häppchen und Testgeräten für ausgewählte Technologie-Experten der wichtigsten US-Medien. Eine webcam lieferte zuletzt Live-Bilder von der Schlange vor dem Apple-Store auf der Fifth Avenue. Zur Vorbereitung auf den Ansturm wurde sogar das sonst 365 Tage im Jahr rund um die Uhr geöffnete Flaggschiff der Apple-Shops ausnahmsweise vier Stunden geschlossen. (mit dpa)