Irak : Dauerhafte Truppenpräsenz der USA besiegelt

Die US-Truppen werden auf mehrere Jahre im Irak bleiben. Laut Ministerpräsident Nuri al Maliki soll so der "Schutz des demokratischen Systems" sichergestellt werden. Das dies keine Garantie für Frieden ist, zeigt der Fall des irakischen Journalisten Dia al Kawwas.

BagdadDer irakische Ministerpräsident Nuri al Maliki und US-Präsident George W. Bush haben einen Pakt geschlossen, der die Präsenz der amerikanischen Truppen im Irak nach Ablauf des UN-Mandats im Juli 2008 sichern soll. In der Vereinbarung, die am heutigen Abend unterzeichnet und in der kommenden Woche in Bagdad veröffentlicht wurde, heißt es, dass "die USA den Irak gegen jeden Angriff von außen verteidigen werden". Al Maliki erklärte in einer Fernsehansprache, er habe mit Bush in einer Videokonferenz die Details dieses Plans besprochen, der den "Schutz des demokratischen Systems" regeln werde.

Der irakische Journalist Dia al Kawwas, der mit seiner Frau und seinen Kindern in Jordanien und Deutschland lebt, gab heute in einem Interview mit dem Nachrichtensender Al Arabija indirekt der irakischen Regierung die Schuld an der Ermordung von elf seiner Familienangehörigen. Die von Amman aus betriebene regierungskritische Internet-Zeitung Irakisches Nachrichten-Netzwerk, deren Chefredakteur er ist, hatte am Montag gemeldet, elf Angehörige des Journalisten seien in ihrem Haus in Bagdads Schaab-Viertel erschossen worden. Dies hatte das irakische Innenministerium später dementiert. Journalisten, die Al Kawwas kennen, sagten, bei den Ermordeten handele es sich um zwei Geschwister des Journalisten sowie deren Ehepartner und Kinder.

Geste der Versöhnung von irakischen Schiiten?

Das geistliche Oberhaupt der irakischen Schiiten, Ali al Sistani, sandte derweil eine Botschaft der Versöhnung an die Iraker. In einer Rede des Großajatollahs, die bei einem Treffen sunnitischer und schiitischer Geistlicher in der Stadt Nadschaf verlesen wurde, hieß es: "Ich wundere mich, wie es den Feinden gelingen kann, einen Keil zwischen die Angehörigen der verschiedenen Glaubensrichtungen zu treiben." Er fühle sich den Sunniten genauso verbunden wie den Schiiten, "und ich habe in meinen Studien immer auch islamische Rechtsgutachten ("Fatwas") sunnitischer Gelehrter betrachtet."

In Bakuba nördlich von Bagdad riss nach Angaben der Nachrichtenagentur Aswat al Irak ein Selbstmordattentäter drei Polizisten und drei Frauen mit in den Tod, als er vor der Polizeidirektion der Provinz Dijala seinen Sprengstoffgürtel zündete. Bei weiteren Angriffen von Extremisten in Dijala seien zwei Männer getötet worden, darunter ein Stammesführer. Die Polizei in der nördlichen Provinz Salaheddin berichtete von einem Fall von Selbstjustiz. Stammesangehörige hätten am Montagabend einen Polizeikonvoi mit Häftlingen überfallen. Die Angreifer hätten erklärt, die Häftlinge hätten Angehörige ihres Stammes getötet, weshalb sie nun Rache üben müssten. Sie verschleppten die Gefangenen, deren Leichen  gefunden wurden.

Die US-Armee berichtete, ihre Soldaten hätten am Montag nahe der nordirakischen Stadt Baidschi zwei "Terroristen" getötet. Außerdem hätten sie auf einen Wagen gefeuert, dessen Fahrer an einer Straßensperre nicht angehalten habe. In dem Auto seien später zwei tote Männer sowie ein schwer verletzter Junge gefunden worden, der dann trotz medizinischer Hilfe gestorben sei. Aswat al-Irak meldete, US-Soldaten hätten vier Beamte des Finanzministeriums getötet, als sie auf einen Kleinbus in Bagdad geschossen hätten. (mit dpa)