Irak : Dorfzentrum nach Bombenattentat fast völlig zerstört

Im Nordirak hat sich ein Selbstmordattentäter mit einem Lastwagen auf einem belebten Markt in die Luft gesprengt. Es ist einer der blutigsten Anschläge seit Monaten. Die Behörden sprechen mehr als 100 Todesopfern.

BagdadBei einem der schwersten Selbstmordanschläge seit Monaten sind im Nordirak mehr als 100 Menschen getötet und rund 250 verletzt worden. Das verlautete aus Kreisen der Provinzregierung in Tikrit. Ein Attentäter hatte sich am Morgen mit einem Lastwagen auf einem belebten Markt in dem Dorf Emerli, 170 Kilometer nördlich von Bagdad, in die Luft gesprengt. Zunächst hatten Augenzeugen von 30 Toten gesprochen.

Die Explosion habe das Zentrum von Emerli zerstört, sagte der Vize-Polizeichef des Nachbarorts Tus Churmatu, Hussein Ali Raschid. Nach der Detonation sei ein Feuer ausgebrochen, das sich schnell auf zahlreiche Geschäfte ausgebreitet habe. Mehrere Gebäude stürzten den Angaben zufolge durch die Detonation ein. Die Rettungskräfte zogen unter anderem auch drei Kinder aus den Trümmern der zerstörten Häuser. Sie erlagen kurz darauf ihren Verletzungen. Unter dem Schutt wurden weitere Opfer vermutet. In Emerli leben vornehmlich schiitische Turkmenen, die im Irak eine Minderheit darstellen.

"So einen schweren Anschlag hat es in Emerli noch nie gegeben", sagte ein Ladenbesitzer, der sich im Krankenhaus von Kirkuk wegen einer Verletzung behandeln ließ. Teilweise mit privaten Autos wurden blutüberströmte Menschen in die Krankenhäuser der Nachbarstadt Tus Churmatu und nach Kirkuk gebracht. Dort waren bei einem Selbstmordanschlag auf einen Polizeiposten vor zwei Monaten zwölf Menschen getötet und 178 weitere verletzt worden.

Attentäter rast in Begräbniszug

Bereits am Vorabend war in Chanakin, 180 Kilometer nordöstlich von Bagdad, ein Selbstmordattentäter mit seinem Fahrzeug in einen Begräbniszug gerast. Bei dieser Explosion starben 20 Menschen, 10 weitere wurden verletzt, gab die Polizei bekannt. Chanakin ist zum Großteil kurdisch bewohnt, liegt aber in der Provinz Dijala und damit außerhalb der kurdischen Autonomieregion, in der ein höherer Grad von öffentlicher Sicherheit herrscht.

Bei Kampfeinsätzen in Bagdad wurden am Freitag insgesamt drei US-Soldaten getötet, gab das US-Militärkommando in Bagdad bekannt. Ein britischer Soldat kam in der Nacht zum Samstag in Basra ums Leben, als seine Einheit von Aufständischen angegriffen wurde, bestätigte das britische Militärkommando. (mit AFP/dpa)