Irak : Kurdenfrage: USA verwarnt Türkei

Bei den anhaltenden Kämpfen von kurdischen Rebellen und dem türkischen Militär hat die USA vor einer Verfolgung der Kurden im Irak gewarnt. Die USA wünschen sich eine bilaterale Zusammenarbeit gegen die PKK-Kämpfer.

WashingtonDie USA haben die Türkei davor gewarnt, angesichts der anhaltenden Kämpfe gegen kurdische Rebellen ins Nachbarland Irak vorzudringen. "Ich bin mir nicht sicher, ob ein einseitiges Vordringen die Lösung für dieses Problem ist", sagte Außenamtssprecher Sean McCormack in Washington. Die Türkei und der Irak müssten vielmehr zusammenarbeiten, um Gewalttaten von kurdischen Aufständischen zu verhindern. Die Regierung des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan hatte zuvor mitgeteilt, das Militär werde wenn nötig auch grenzüberschreitende Operationen gegen gewalttätige Mitglieder der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) starten.

"Seit Monaten sagen wir, dass es wichtig ist, zusammenzuarbeiten, um dieses Problem zu lösen", sagte McCormack mit Blick auf die Gewalt kurdischer Rebellen. Zuvor hatte McCormack die kurdischen Angriffe verurteilt. "Die Gewalt der PKK bedroht nicht nur die Türkei, sondern unterläuft auch die Sicherheit und das Wohlergehen des Iraks", hieß es in einer Erklärung. Die Sprecherin von US-Präsident George W. Bush, Dana Perino, bezeichnete ein Eindringen türkischer Soldaten auf irakisches Gebiet als "hypothetisch". Zugleich betonte sie, dass die USA die Türkei schon seit langem im Kampf gegen Terrorakte unterstützten.

Türkei enttäuscht von USA

Die Türkei ist ein wichtiger Verbündeter der USA in der Region. Zugleich hat Washington kein Interesse daran, dass in dem von Gewalt erschütterten Irak auch der Konflikt zwischen Türken und kurdischen Rebellen ausgetragen wird. Das Kurdengebiet im Irak gehört zu den stabilsten Regionen des Landes, seine Bewohner sind wichtige Unterstützer der USA. Um dem Problem der landesübergreifend agierenden kurdischen Rebellen beizukommen, hatte US-Außenministerin Condoleezza Rice vor einem Jahr eine Gruppe mit Vertretern aus den USA, der Türkei und dem Irak initiiert. Der US-Beauftragte, Joseph Ralston, hatte das Amt jedoch vor kurzem niedergelegt.

Von türkischer Seite wird den USA vorgeworfen, zu wenig gegen kurdische Angriffe zu unternehmen. "Seit Monaten wartet die Türkei vergeblich auf Aktionen von Seiten der USA", sagte der frühere türkische Botschafter in Washington, Faruk Logoglu. Armeechef Yasar Büyükanit hatte einen Schlag gegen im Irak verschanzte PKK-Kämpfer als "sehr nützlich" bezeichnet. Dem Druck der Armee gab Erdogan schließlich nach, als er ankündigte, bei der Bekämpfung kurdischer Rebellen werde nun auch ein Grenzübertritt der Soldaten in den Irak nicht mehr ausgeschlossen. Bereits kommende Woche könnte dem Parlament ein entsprechender Antrag vorgelegt werden. Zuvor hatte sich der Regierungschef lange dagegen ausgesprochen, um den Partner USA nicht zu verstimmen.

Erdogan zu Besuch bei Bush

Für November ist ein Besuch Erdogans bei US-Präsident Bush geplant. "Wenn die Regierung ihr grünes Licht im April gegeben hätte, als die Armee es zum ersten Mal forderte, gäbe es heute nicht so viele Tote", sagte der General im Ruhestand Necati Özgen. Am Wochenende und am Montag hatte die PKK nach türkischen Angaben insgesamt 15 Soldaten getötet. Danach hatten im ganzen Land zahlreiche Demonstrationen gegen die PKK stattgefunden. (mit AFP)