Irak : USA erheben neue Vorwürfe gegen Iran

Die USA vermuten seit langem, dass Iran Milizen für den Kampf gegen US-Streitkräfte im Irak ausbildet und ausrüstet. Jetzt werden detaillierte Vorwürfe erhoben.

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US-Militärsprecher Bergner -Foto: dpa

KairoUS-General General Kevin Bergner nahm in Bagdad kein Blatt vor den Mund. So detailliert wie kaum jemals zuvor beschuldigte er die iranische Führung der Einmischung im Irak. Revolutionsgardisten bildeten regelmäßig irakische Milizionäre in Iran aus. Mit Geld und modernen Guerilla-Waffen ausgestattet, würden diese Trupps von 20 bis 60 Mann in ihre Heimat zurückgeschickt, um als so genannte "Sondergruppen" Anschläge auf die Amerikaner zu verüben oder die Konflikte zwischen den irakischen Konfessionen anzuheizen. "Die obere Führungsebene im Iran hat von all diesen Aktivitäten Kenntnis", sagte Bergner.

Viele Experten halten Iran inzwischen - neben den USA - für den bedeutendsten Akteur im Irak. Beide Länder verfügen über eine gemeinsame Grenze von 1458 Kilometern Länge. Der iranischen Staatsreligion, dem schiitischen Islam, hängen rund 60 Prozent der Iraker an. Unter der von den Amerikanern hinweggefegten Diktatur des Sunniten Saddam Hussein war die schiitische Bevölkerungsmehrheit diskriminiert. In ihrer Religionsausübung war sie eingeschränkt, in den Spitzenpositionen unterrepräsentiert.

Anschläge mit Sprengladungen aus Iran?

Die Schiiten-Parteien, die nach zwei allgemeinen Wahlen die Regierung beherrschen, sind zumeist im Exil in Teheran entstanden. Die Führungen des Obersten Islamischen Rats im Irak (SIIC) und der Dawa-Partei pflegen bis heute enge Beziehungen zum Mullah-Regime im Iran. Doch dieses unterstützt - wie Washington mit zunehmender Beharrlichkeit beanstandet - auch schiitische Milizen, die nicht von der Regierung in Bagdad kontrolliert werden.

Die amerikanischen und britischen Truppen im Irak erleiden immer wieder Bombenanschläge, die wegen ihrer Heftigkeit ganze Panzermannschaften hinwegraffen. Die dabei verwendeten Hohlladungs- Minen seien iranischer Herkunft, sagen die Amerikaner. Im Januar nahm das US-Militär im kurdisch-irakischen Erbil fünf iranische Diplomaten fest, die nach US-Ansicht Agenten sind. Sie sind bis heute in Haft. Eine knappe Woche später überfiel ein schiitisches Kommando das Gouverneursgebäude im südirakischen Kerbela, entführte dabei vier US-Soldaten und tötete sie. Die bis dahin beispiellose Aktion trage die Handschrift der Al-Quds-Einheit, des Elite-Arms der iranischen Revolutionsgarden, vermuten die Amerikaner.

Strategieexperte: USA haben Iran als Machtfaktor unterschätzt

Der US-Strategieexperte Anthony Cordesman meint, dass Washington den Faktor Iran in den ersten Jahren seiner Irak-Intervention schlicht unterschätzt habe. Auch später hätten für die US-Führung andere Prioritäten im Umgang mit Teheran Vorrang gehabt, wie etwa die iranischen Nuklearambitionen oder die Rolle Teherans bei der Unterstützung anti-israelischer Kräfte im Nahen Osten. Erst in diesem Jahr setzte ein zaghafter direkter diplomatischer Dialog zwischen Washington und Teheran über den Irak ein, mit kaum nennenswerten Ergebnissen. Zu lange, meint Cordesman, hielt sich in der Regierung von Präsident George W. Bush der Glaube, dass "der einzige, überhaupt gangbare Weg des Umgangs mit dem Iran der des (herbeigezwungenen) Regimewechsels sei".

Doch welche Motiv verfolgt der Iran, wenn er einerseits die international anerkannte Regierung in Bagdad unterstützt und zum anderen Milizen, die sich der Kontrolle dieser Regierung entziehen, Ausbildung, Waffen und Geld zuteil werden lässt? "Kontrolliertes Chaos", lautet die Antwort der britisch-amerikanischen Denkfabrik "Basic" in einer neuen Studie. Die Mullahs dächten bereits an die Zeit nach dem Abzug der US-Truppen. "Am nützlichsten für Teheran", so diese Studie, "wäre dann eine freundliche, vorzugsweise schiitische Regierung, die stark genug ist, um den Irak zusammenzuhalten, aber zu schwach, um eine militärische Bedrohung (für Iran) darzustellen." (mit dpa)