Islamwissenschaftler : "Deutschland ist ein multireligiöses Land"

Islamwissenschaftler äußern sich zur Integration und zum Bau von Moscheen in Deutschland. Die Religion solle hierzulande als gleichwertige Glaubensgemeinschaft akzeptiert werden, Muslime aber auch in ihren Heimatländern für mehr Toleranz werben.

Moschee
Überfüllt: Eine Bürgerversammlung zum Moscheebau in Köln. -Foto: ddp

MünsterDer Bau von Moscheen muss nach Ansicht des Islamwissenschaftlers Muhammad Kalisch von der Universität Münster in Deutschland akzeptiert werden. Muslime dürften hierzulande nicht schlechter gestellt werden als Angehörige anderer Religionsgemeinschaften, aber auch nicht besser, sagte Prof. Kalisch, bundesweit erster Lehrstuhlinhaber für die "Religion des Islam" in Münster. Eine "Privilegierung der Muslime" beim Bau eigener Gotteshäuser, wie oft behauptet werde, gebe es seiner Meinung nach nicht. Klar sei aber auch, dass Moscheen "eben nicht nur in Hinterhöfen" gebaut werden sollten, betonte der in Hamburg geborene Wissenschaftler.

"Der Prozess tut manchmal weh, aber es gibt keinen anderen Weg. Muslime haben verfassungsmäßige Rechte." Mit Blick auf einen kleinen Kern reaktionärer Muslime fügte er hinzu: "Muslime haben aber auch die Verfassungsgrenzen zu akzeptieren." Die Mehrheit der in Deutschland lebenden Glaubensanhänger bezeichnete er als "liberal und schweigsam". Zur Diskriminierung von Christen in einigen islamischen Ländern sagte Kalisch: "Alle Muslime in Deutschland müssen für Religionsfreiheit auch in ihren Heimatländern werben."

Aus Sicht des niederländischen Religionswissenschaftlers Jean-Pierre Wils sei es ein Grundproblem, dass sich Deutschland noch nicht ausreichend als Einwanderungsland verstehe. "Es ist kein monoreligiöses, sondern ein multireligiöses Land", sagte der in Deutschland lebende Professor für christliche Ethik an der Universität Nijmwegen (Niederlande). "Es sind sinnlose Sätze, dass keine Moschee höher als eine Kirche sein darf", sagte Wils. Er hatte am Donnerstagabend auf Einladung Kalischs über sein jüngst veröffentlichtes Buch "Gotteslästerung" referiert. (mit dpa)