IT-Branche : Stühlerücken bei Infineon

Der Vorstand bei Infineon sortiert sich nach dem dreimonatigen Intermezzo von Finanzvorstand Günther neu. Mit Ersatzmann Peter Fischl kehrt ein alter Bekannter aus dem Ruhestand zurück. Von der Tochter Qimonda will sich der Konzern trennen.

Infineon
Der Chiphersteller Infineon erlebt unruhige Zeiten. -Foto: ddp

MünchenNach der Abberufung von Infineon-Finanzvorstand Rüdiger Günther kehrt Vorgänger Peter Fischl aus dem Ruhestand auf seinen alten Posten zurück. Der Aufsichtsrat habe sich entschieden, Günther "auf Grund der nicht zu überbrückenden Differenzen" nach nur drei Monaten im Amt mit sofortiger Wirkung von seinem Posten zu entbinden. Der Aufsichtsrat hatte Günther bereits in der vergangenen Woche den Abschied nahe gelegt. Fischl werde das Finanzressort vorübergehend führen, bis ein Nachfolger gefunden ist, hieß es. Er war bereits seit der Ausgliederung von Infineon aus dem Siemens-Konzern Finanzvorstand bei dem Chip-Hersteller. Im Mai ging er in den Ruhestand. Eine seiner wichtigsten Aufgaben wird nun die weitere Reduzierung der Beteiligung an der Speicherchip-Tochter Qimonda sein.

Qimonda-Beteiligung soll abgebaut werden

Denn nach einer verhagelten Quartalsbilanz will Infineon die Trennung von Qimonda beschleunigen. Konzernchef legte Wolfgang Ziebart erstmals einen konkreten Fahrplan vor. Demnach soll die Beteiligung spätestens bis zur Hauptversammlung 2009 von zuletzt 85,9 Prozent auf "deutlich unter 50 Prozent reduziert" werden.

Infineon will sich ganz von den schwankungsanfälligen DRAM-Aktivitäten trennen und sich voll auf das stabilere Geschäft mit Logikchips zum Beispiel für Autohersteller und Kunden aus der Telekommunikationsbranche konzentrieren. In einem ersten Schritt wurde vor einem Jahr die Speicherchip-Tochter Qimonda an die Börse geschickt, Infineon behielt aber zunächst die Mehrheit. Allerdings war der Druck von Investoren und Anlegern gewachsen. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2006/07 (30. September) machte Infineon vor allem wegen der Probleme bei Qimonda einen Verlust von fast 200 Millionen Euro.

Fischl will Posten möglichst bald übergeben

Nun kündigte Ziebart an: "Die bisherige Strategie, die Beteiligung durch Abverkäufe und andere Kapitalmarktmaßnahmen zu reduzieren, wird konsequent fortgesetzt." Die Erlöse aus dem Verkauf von Qimonda-Anteilen sollen für Akquisitionen und Aktienrückkäufe eingesetzt werden. Verbliebene Qimonda-Anteile könnten dann in Form einer Sachdividende an die Infineon-Aktionäre ausgeschüttet werden. Auf der Hauptversammlung Anfang 2008 sollen dafür die Voraussetzungen geschaffen werden. Ein Jahr später wäre dann eine Verteilung der restlichen Qimonda-Aktien an die Infineon-Anteilseigner möglich.

Die nächsten Schritte soll nun Fischl einleiten. Allerdings wurde im Umfeld des Konzerns betont, dass er möglichst rasch den Posten des Finanzvorstands wieder an einen Nachfolger übergeben will. Die geplante Trennung von seinem kurzzeitigen Nachfolger Günther war bereits in der vergangenen Woche bekannt geworden. Neben einem ruppigen Führungsstil wurde dem Ex-Chef des Landmaschinen-Herstellers Claas laut Branchenkreisen vorgeworfen, nicht gut genug mit den Besonderheiten der Chipbranche vertraut zu sein. Der Aufsichtsrat entschied sich nun für die Abberufung, weil die Verhandlungen über eine Trennung im beiderseitigen Einvernehmen gescheitert waren. (mit dpa)