Italien : Skandal um "Horror-Klinik" in Mailand

Ärzte sollen sich um die Gesundheit der Patienten sorgen. In Mailand sorgten sie sich aber mehr um den eigenen Geldbeutel. Deshalb griffen sie häufig unnötigerweise zum Skalpell. Die Staatsanwaltschaft untersucht 20 Todesfälle.

Mailand Der Skandal um unnötige Operationen an einer Mailänder Privatklinik weitet sich aus. Die Staatsanwaltschaft untersuche 20 Todesfälle im Krankenhaus "Santa Rita", die möglicherweise auf überflüssige Eingriffe an ahnungslosen Patienten zurückgehen, berichtete die italienische Zeitung "Corriere della Sera" am Mittwoch. Gut ein Dutzend Ärzte oder ehemalige Mediziner der chirurgischen Klinik sowie der Inhaber, ein Notar aus Sizilien, wurden festgenommen oder unter Hausarrest gestellt. Zwei der insgesamt 14 Beschuldigten werde derzeit Totschlag in mindestens fünf Fällen sowie schwere Körperverletzung in 86 Fällen vorgeworfen.

Mit nutzlosen und teils auch schädlichen Operationen an Brüsten oder Lungen sollen sie in der "Horror-Klinik" - wie das Krankenhaus in Italien bezeichnet wird - insgesamt 2,5 Millionen Euro zusätzliches Geld eingenommen haben. Die Ärzte verweigerten bisher die Aussage. Der Hauptverdächtige, der Chirurg Paolo Brega Massone, sagte lediglich: "Ich habe immer nur an das Wohl meiner Patienten gedacht und nach meinem Gewissen gehandelt." Ihm droht nach Medienangaben eine lebenslange Haftstrafe. Die Zeitung "La Stampa" sprach von einem "Massaker an unschuldigen Menschen". (ae/dpa)