Der Tagesspiegel : „Ja, dann haben wir halt null Punkte“

Der Frauen-Bundesligist FFC Brauweiler Pulheim hat einen negativen Rekord für die Ewigkeit aufgestellt

Herr Weyergans, am Wochenende ist die Fußball-Bundesligasaison der Frauen zu Ende gegangen. Sie werden vermutlich erleichtert sein?

Sie haben es erraten. Jetzt sind wir froh, dass wir durchatmen können.

Durchatmen? Ihr Verein, der FFC Brauweiler Pulheim, ist Tabellenletzter geworden – mit null Punkten!

So schlecht, wie die Tabelle sie ausweist, ist die Mannschaft nicht.

Ihre Mannschaft hat in 22 Spielen genau 100 Gegentore kassiert. Ihrem Verein wird die zweifelhafte Ehre zuteil, das Tasmania des Frauenfußballs zu sein – also der schlechteste Verein für Ewigkeiten.

Tja, die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Aber wenn ich Ihnen sage, dass wir im Verlauf der Saison fünf Torfrauen zum Einsatz bringen mussten, dann kann man sich ausmalen, mit welchen widrigen Umständen wir zu kämpfen hatten.

Was waren das denn für Umstände?

Wir sind mit einer sehr jungen Mannschaft in die Spielzeit gegangen. Uns war schon bewusst, dass es schwer werden würde. Aber dass wir diese Probleme bekommen würden, war nicht absehbar.

Ab wann war absehbar, dass die Saison in einem Desaster enden würde?

Angefangen hat es mit unserer Torfrau Britta Trescher, die plötzlich – beruflich bedingt – aufhören musste. Dann musste unsere Spielführerin Steffi Löhr mitten in der Saison aus gesundheitlichen Gründen aufhören. Das kann so eine Mannschaft nicht kompensieren. Uns sind Eckstützen weggebrochen ...

... und dann flossen Tränen?

Das ist doch verständlich, oder?

War die Mannschaft motivierbar?

Das war keine ganz so leichte Zeit. Daher ein Kompliment an Team und Trainer Manuel Ortiz. Sie sind jedes Spiel so angegangen, als ob es zu gewinnen gewesen wäre. Naja, die Chancen standen nicht ganz so gut. Aber zumindest sind wir nicht zum Kanonenfutter geworden.

Ich bitte Sie, vergangenen Sonntag verlor Ihr Klub gegen Frankfurt 0:7?

Frankfurt ist Meister, darüber brauchen wir nicht zu reden. Ich denke an die knappen Spiele gegen Wolfsburg und Bad Neuenahr. Gegen Neuenahr führten wir bis kurz vor Schluss, und gegen Wolfsburg hätten wir beinahe noch ein Unentschieden geholt.

Haben Sie und die Spielerinnen nicht die Lust am Fußball verloren?

Nein. Ich bin seit 1993 dabei, aber so eine Saison habe ich noch nie erlebt. Verstehen Sie mich nicht falsch, aber es ist einfach unbeschreiblich, was passiert ist.

Dann wird Ihre Null-Punkte-Saison ein Rekord für die Ewigkeit bleiben?

Was heißt Rekord? Ich weiß nur, dass es uns hart getroffen hat. Wir waren nicht erpicht darauf, mit diesem Negativergebnis abzusteigen. Und dieses Ergebnis ist zumindest rekordverdächtig. Ich denke, dass so etwas nicht noch einmal einer Mannschaft passieren wird.

Ein Pünktchen, und Ihre Welt hätte besser ausgesehen. Haben Sie gebetet?

Wir haben alles versucht, Spiele zu gewinnen. Aber es hat nicht sollen sein und jetzt müssen wir mit dem traurigen Fazit fertig werden und sagen: Ja, dann haben wir halt null Punkte.

Rennen Ihnen jetzt nicht die Spielerinnen davon?

Nein, wir können alle die Lage realistisch einschätzen. Die Abgänge von Susanne Kasperczyk und Irmela Koch, die uns jetzt treffen, standen vorher fest. Diese Spielerinnen haben andere Ambitionen, und Sie wissen ja: Im Frauenfußball ist mit Geld Erfolg planbar. Wir müssen mit bescheidenen Mittel planen. Das Gros der Mannschaft bleibt zusammen, und wir versuchen, den Kader sinnvoll aufzuwerten. In der Zweiten Liga werden wir wieder eine ganz andere Rolle spielen.

Am Samstag gibt Ihr Verein eine Party. Was bitte feiern Sie?

Ein großes Jubiläum! Vor zehn Jahren wurden wir Deutscher Meister, Pokalsieger und holten den Super-Cup.

Dann steht ja einer ausgelassenen Party nichts im Wege...

Naja, der Abstieg sitzt bei uns allen im Hinterkopf. Aber es ist ja nicht so, dass wir erst vorgestern abgestiegen sind. Wir hatten genug Zeit, uns damit auseinanderzusetzen. Ich glaube vielmehr, dass die Veranstaltung uns allen mal ganz gut tut. Wir können uns daran erinnern, dass der Fußball auch schöne Seiten hat.

Das Gespräch führte Michael Rosentritt.

Michael Weyergans, 38, ist seit zwei Jahren Vorsitzender des Frauen-Bundesligisten FFC Brauweiler Pulheim. Der Klub gewann in der gerade

abgelaufenen Saison keinen Punkt.