Jamaika : Parlamentswahlen trotz Hurrikan

In Jamaika wird ein neues Parlament gewählt. Die Wahllokale öffneten, obwohl derzeit der Hurrikan "Felix" über der Karibik tobt. Ein knapper Ausgang wird erwartet.

Buenos Aires/KingstonIn dem von schroffen sozialen Unterschieden geprägten Karibikstaat Jamaika stimmen die Wähler heute über ein neues Parlament und damit auch über die künftige Regierung ab. Sowohl die seit 18 Jahren regierende Nationale Volkspartei (PNP) als auch die Labour-Partei (JLP) geben sich siegessicher. Trotz Meinungsumfragen, die einen knappen Ausgang vorhersagen, gehen nationale Medien jedoch davon aus, dass die PNP erneut die Mehrheit im 60-köpfigen Parlament erhalten wird.

Bei der letzten Wahl 2002 hatte die PNP 52 und die JLP 47 Prozent der Stimmen erzielt. Premierministerin ist Portia Simpson-Miller. Sie hat das Amt vor einem Jahr übernommen, weil sich ihr langjähriger Vorgänger, Percival J. Patterson, altersbedingt zurückgezogen hatte. Es gilt als sicher, dass Simpson-Miller im Falle eines Wahlsieges ihrer Partei wieder die Regierung anführen wird. Sie will den konservativ-sozialdemokratischen Kurs fortsetzen. Ihr Herausforderer ist Bruce Golding von der JLP. Er gilt als kluger Kopf, dem es jedoch an Charisma mangelt. Seine Partei tritt für mehr Marktwirtschaft ein.

Wegen der Verwüstungen durch Hurrikan "Dean" hatten die ursprünglich schon für den 27. August anberaumten Wahlen verschoben werden müssen. Obwohl auch heute wieder ein Hurrikan, der besonders gefährliche "Felix", in der Karibik tobt und etwa 425 Kilometer südlich von der Insel vorbeizieht, findet die Wahl bei strahlendem Sonnenschein und ruhigem Wetter statt. Etwa 1,3 Millionen der 2,8 Millionen Einwohner sind wahlberechtigt.

Für Unruhe sorgten insgesamt sieben Morde am Wochenende vor der Wahl. Zwar waren die Taten nach Angaben der Polizei nicht politisch motiviert, aber Politiker schlossen politische Gründe dennoch nicht völlig aus und riefen ihre Anhänger zur Ruhe auf. (mit dpa)