Der Tagesspiegel : Jeder auf seinem Platz

Mit einer Tischordnung können Gastgeber richtig Stimmung machen

Christina Kohl

Es ist der Moment der Wahrheit: Die Hochzeitsgäste betreten den Saal und mustern suchend die Tische. Sie schauen nach ihrem Namen, möchten wissen, wer mit wem den Abend über das Vergnügen hat. Oder auch nicht. Denn die Tischordnung trägt entscheidend zum Wohlbefinden der Gäste bei. Es lohnt sich also, ein paar Dinge zu bedenken.

AUFSTELLUNG DER TISCHE

Vor allem bei großen Gesellschaften bietet es sich an, runde Bankett-Tische anstatt einer langen Tafel aufzubauen. Sitzen acht bis zehn Menschen um einen Kreis oder ein Oval, kommt fast jeder mit jedem leicht ins Gespräch. An einer Tafel ist die Kommunikation dagegen schwer: Meistens können sich nur die Sitznachbarn und die Gegenübersitzenden unterhalten.

TISCH- ODER PLATZKARTEN

Entscheiden sich die Gastgeber für Bankett-Tische, können die Gäste zugeordnet werden, ohne den Platz für jeden Einzelnen vorzugeben. Dann werden gute Freunde nicht auseinandergerissen, wenn diese gern zusammensitzen möchten. Andererseits kann gerade das den Gästen guttun, meint Jan Schaumann, Stiltrainer in Berlin: „Sie sind gezwungen, die eigene Komfortzone zu verlassen – und sind fremden Menschen irgendwann nicht mehr ganz so fremd.“

GÄSTE MISCHEN

Das Ziel der Feier ist es, einen schönen Tag zu erleben, findet Jan Schaumann. Mit der Sitzordnung können Gastgeber ihren Gästen etwas zurückgeben: Anregende Gespräche, unterhaltsame Anekdoten, vielleicht sogar neue Freunde. Es können zum Beispiel bewusst Gäste zusammengesetzt werden, die sich vorher nicht kannten, aber zum Beispiel gemeinsame Hobbies haben. Aufgrund der Mischung von Freunden, Kollegen und Bekannten hat eine Feier die Chance, viel lustiger und interessanter zu werden als jedes andere Familienfest. Manchmal muss man die Gäste nur etwas anstoßen.

VORSTELLUNG

Gastgeber können die Gesprächsbarrieren erheblich senken, wenn die Gäste zu Beginn des Abends einander vorstellen. Oder besser noch: Sie werden vorgestellt. Jan Schaumann empfiehlt als Zeremonienmeister einen guten Freund oder eine Freundin des Gastgebers, der das Programm der Feier koordiniert und alle Eingeladenen mit wenigen – möglichst geistreichen – Sätzen beschreibt. Dann kann jeder leicht eine Unterhaltung daran anknüpfen.

STREIT VERMEIDEN

Wenn Gastgeber schon im Voraus wissen, dass unter den Gästen Menschen sind, die sich nicht verstehen, sollten sie getrennt sitzen. Eine Feier ist nicht der richtige Anlass, alte Streitereien auszutragen. An unterschiedlichen Tischen ist die Gefahr einer Auseinandersetzung gering. Sind Sie nicht sicher, wie Gäste die Anwesenheit anderer vertragen, zum Beispiel die geschiedene Mutter die neue Partnerin des früheren Ehemanns? Sprechen Sie sie vor der Hochzeit an. Eventuell lösen sich die Sorgen dann bereits. Sie können aber auch den Vater bitten, allein zu kommen. Schließlich ist es Ihr Fest.

KINDER BESCHÄFTIGEN

Ein Kindertisch ist nicht immer der beste Platz für die kleinen Gäste. Sind sie noch sehr jung, möchten sie häufig lieber bei den Eltern sitzen, Teenager wollen wie Erwachsene behandelt werden. Eine Möglichkeit ist es, ein oder zwei Personen zu engagieren, die die Kinder während des Essens betreuen. Dann können sie so viel Spaß haben wie ihre Eltern und wollen nicht so schnell nach Hause.

EIN GANG, EIN PLATZ

Für mehr Abwechslung im wörtlichen Sinne hat Stiltrainer Jan Schaumann eine besondere Idee: Nach jedem Menügang wechseln die Gäste die Tische. Das Bäumchen-wechsel-dich hat Schaumann selbst auf einer Hochzeit erlebt – und war begeistert: „Eine geniale Lösung.“ Das hat nicht nur den Vorteil, im Laufe des Abends mit fast allen Gästen zu sprechen. Schaumann rät, den Zeremonienmeister jeweils die neuen Tischbesetzungen ansagen zu lassen. Um Chaos zu vermeiden. Christina Kohl

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