Der Tagesspiegel : Jetzt für 2009 vorsorgen

Zum 1. Januar 2009 soll die Abgeltungsteuer kommen – was Anleger wissen müssen und wie sie sich vorbereiten können.

Stefan Kaiser

Seit knapp einer Woche ist es beschlossene Sache: Zum 1. Januar 2009 soll die Abgeltungsteuer kommen – und schon jetzt sollten sich die Anleger auf die neuen Bedingungen einstellen. Zinsen, Dividenden und Gewinne aus Aktien- oder anderen Wertpapiergeschäften werden ab 2009 in der Regel nicht mehr in der Steuererklärung angegeben. Stattdessen zieht die Bank pauschal 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag ab.

Es gibt allerdings Ausnahmen von dieser Regel: Anleger und Sparer mit geringem Einkommen, die einen individuellen Steuersatz unter 25 Prozent haben, können weiter die alte Regelung nutzen und ihre Kapitalerträge in der Steuererklärung angeben. Sie bekommen dann die zu viel gezahlte Abgeltungsteuer zurück. Auch wer Spenden oder außerordentliche Belastungen – etwa aus einer Krankheit oder aus Unterhaltszahlungen – geltend machen will, wird seine Kapitalerträge unter Umständen bei der Steuererklärung angeben müssen.

Grundsätzlich fahren Gutverdiener mit der Abgeltungsteuer besser. Mussten sie Kapitalerträge bislang mit ihrem persönlichen Steuersatz von maximal 42 Prozent versteuern, sind künftig nur noch 25 Prozent fällig. Allerdings fallen dafür Regelungen weg, die vor allem Wertpapierbesitzern bislang teilweise steuerfreie Einkünfte beschert haben. Aktionärsschützer wie Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sprechen deshalb von „massiven Verschlechterungen“ für Sparer, die ihr Geld in Aktien, Fonds oder Zertifikaten anlegen. Befürworter betonen dagegen die neue Gleichbehandlung, die Steuertricks künftig fast unmöglich mache.

Zinsen

Zinseinkünfte bis 750 Euro plus 51 Euro Werbungskostenpauschale bleiben steuerfrei. Alles, was darüber hinausgeht, wird mit dem einheitlichen Satz von 25 Prozent versteuert. „Bei Zinsprodukten profitieren auf jeden Fall alle Anleger mit einem individuellen Steuersatz über 25 Prozent“, erklärt Heinz-Udo Schaap, Geschäftsführer Steuern beim Bundesverband deutscher Banken (BdB). Diese Anleger kommen mit der Abgeltungsteuer deutlich besser weg als bisher.

Dividenden

Bei Dividenden müssen die meisten Anleger Kürzungen hinnehmen. Denn bisher werden Dividenden nur zur Hälfte mit dem persönlichen Steuersatz versteuert. Ab 2009 fallen 25 Prozent auf die Gesamtsumme an. Anleger, die heute einen persönlichen Steuersatz von 25 Prozent haben, zahlen dann doppelt so hohe Steuern. Das gilt auch, wenn die Aktien schon vor 2009 im Depot waren.

Aktien

Bislang musste nur Steuern zahlen, wer seine Aktien binnen eines Jahres wieder verkauft hat. Diese Spekulationsfrist fällt ab 2009 weg. Auf alle Kursgewinne -– unabhängig wie lange die Aktien im Bestand waren – ist dann eine Abgeltungsteuer zu zahlen. „Für langfristig orientierte Anleger führt das in der Regel zu Verschlechterungen gegenüber dem Status Quo“, sagt Steuerexperte Schaap. Allerdings können Gewinne aus Aktiengeschäften mit Verlusten verrechnet werden. Gewinne aus Aktien und Fonds, die vor dem 1.1. 2009 gekauft wurden, bleiben steuerfrei.

Fondssparpläne

Wer mit einem Fondssparplan für das Alter vorsorgt, muss sich auf ein dickes Ende einstellen. Werden die Fondsanteile verkauft, müssen die Kursgewinne, die nach dem 1.1.2009 angefallen sind, versteuert werden. Wer zum Beispiel 30 Jahre lang 100 Euro im Monat in einen Fonds mit 8,3 Prozent Rendite eingezahlt hat, konnte sich bisher am Ende über 150 000 Euro freuen. Das reichte für eine monatliche Zusatzrente von 1000 Euro, 20 Jahre lang. Künftig muss der Sparer knapp 32 000 Euro Steuern zahlen. Die Rente schrumpft auf rund 770 Euro monatlich.

Private Rentenversicherungen

Wer zur Altersvorsorge auf private Rentenversicherungen oder die staatlich geförderte Riester- und Rürup-Verträge setzt, braucht sich um die Abgeltungsteuer nicht zu sorgen. Nur die späteren Renten werden mit dem persönlichen Steuersatz belegt.

Zertifikate

Die neue Lieblingsanlage der Deutschen ist am härtesten von der Abgeltungsteuer betroffen. Anders als bei Aktien oder Fonds gibt es für Zertifikate nur einen eingeschränkten Bestandsschutz. Die Abgeltungsteuer greift bereits bei allen Produkten, die nach dem 14. März 2007 gekauft wurden und nach dem 30. Juni 2009 verkauft werden. So wollte der Gesetzgeber verhindern, dass die Branche die Abgeltungsteuer durch die Auflegung von Endloszertifikaten umgeht.

Christian G. Liste, Niederlassungsleiter bei Delbrück Bethmann Maffei in Berlin, rät Anlegern, neu erworbene Zertifikate vor dem 1. Juni 2009 zu verkaufen, sofern sie mindestens 12 Monate im Depot lagen. Er kennt auch Produkte, deren steuerliche Behandlung sich durch das neue Gesetz verbessern wird. „Garantiefonds und Garantiezertifikate galten bisher als Finanzinnovationen und mussten auch nach Ablauf von zwölf Monaten noch voll versteuert werden“, erklärt Liste. Künftig falle für diese Produkte nur noch die Abgeltungsteuer von 25 Prozent an. „Damit werden diese Papiere interessanter“, sagt Liste. Ähnliches gelte für Zerobonds, also Anleihen mit Null-Kupon, die vor allem für Gutverdiener interessant sind.

Generell rät Liste allerdings zur Gelassenheit. „Bei einem Wertpapierdepot sollten nicht die Steuern im Mittelpunkt stehen, sondern eine vernünftige Rendite-Risiko-Ausrichtung“, rät der Experte. „Wenn ich eine gute Performance von 20 Prozent mache, werde ich mich daran gewöhnen müssen, einen Teil davon abgeben zu müssen.“