Joachimsthal : Werner K. - Zu neunt gegen die Angst

Der Widerstand gegen den wieder in Joachimsthal lebenden Sexualstraftäter bröckelt. Am Dienstag hatte das Amtsgericht Frankfurt/Oder entschieden, dass die Dauerobservation der Polizei für den 51-jährigen K. nicht verlängert wird. Gutachter meinen, er sei keine Gefahr mehr.

Alexander Fröhlich

Joachimsthal - Über Werner K. will die Bäckersfrau hinter dem Tresen nichts sagen: „Bloß nicht.“ Wie sie winken viele ab, wollen nicht über den früheren Sexualstraftäter reden, der seit Frühjahr 2008 wieder in Joachimsthal lebt. Ein Mann, der beim Bäcker frühstückt, meint: „Mir ist das egal. Er ist ein freier Mann. Die Polizeiwache war doch unsinnig und viel zu teuer.“ Am Dienstag hatte das Amtsgericht Frankfurt/Oder entschieden, dass die Dauerobservation der Polizei für den 51-jährigen K. nicht verlängert wird. Gutachter meinen, er sei keine Gefahr mehr.

„Wir sind von der Nachricht überfallen worden. Jetzt fühlen wir uns nicht mehr sicher“, sagt die 38-jährige Grit Brobowski. Vergangene Woche hätten die Kinder noch allein auf dem Spielplatz spielen dürfen – „jetzt sehen Sie kaum mehr Kinder draußen“. Viele würden im Dunkeln nicht mehr auf die Straße gehen. Jürgen Krüger (61) weist darauf hin, dass in Joachimsthal noch ein Opfer von K. lebe. Die Frau war 24 Jahre alt, als er ihr 1985 im Wald auflauerte und sie zu vergewaltigen versuchte. „Können Sie sich vorstellen, was das für die Frau bedeutet, wenn die Polizei die Wache abzieht?“

Die Bürgerinitiative will wieder Mahnwachen abhalten wie vergangenes Jahr, als K. aus der Haft freikam. „Werner K. muss weg“, hatten sie vor seinem Haus gefordert. Wegen einer Justizpanne hatte der Bundesgerichtshof die Sicherungsverwahrung aufgehoben. 22 Jahre war er zuvor in Haft, weil er vier Frauen vergewaltigt und zwei Kinder misshandelt hat.

Als die NPD aufmarschierte und die Polizei die Überwachung übernahm, stellte die Bürgerinitiative ihre Arbeit ein. Seit Dienstag fährt die Polizei nur noch Streife. „So etwas hält doch keinen Triebtäter ab“, meint Brobowski. Noch am Abend zogen sie vor K.s Haus und verteilten Handzettel. Am Mittwoch standen sie wieder da, mit einem Transparent: „Wir haben auch die Kraft.“ Es ist angelehnt an die Wahlplakate der CDU im Ort: „Wir haben die Kraft.“ So recht aber zündete der Protest nicht: Nur neun Erwachsene und ein paar Kinder kamen, Journalisten waren in der Überzahl. Krüger meint, viele hätten aber aus den Autos gewunken: „Macht weiter so!“ 

Dirk Protzmann, Amtsdirektor von Joachimsthal, spricht von „Schattenseiten des Rechtsstaats“. Ihn stören die Schlagzeilen: „In Deutschland gibt es 15 bis 20 solcher Fälle, berichtet wird aber nur über Werner K.“ Am besten wäre ein Ort, „an dem Werner K. endlich Ruhe findet für seine Therapie. Denn egal, wo er hingeht, gibt es Ärger. Es gibt keinen ruhigen Ort für ihn.“ Zweimal musste er schon Therapien abbrechen.Alexander Fröhlich

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