Jobboom in Brandenburg : Erfolgsgeschichte ohne Fusion

Rund um Berlin boomt die Wirtschaft, viele Firmen expandieren und es entstehen tausende Jobs. Der Großflughafen BBI soll weitere Investoren in die Region locken.

Rainer W. During
Erfolgsgeschichte
Fetter Speckgürtel. Im Rolls-Royce-Werk in Dahlewitz entstanden rund 800 Arbeitsplätze. -Foto: dpa

Tausende neuer Arbeitsplätze und Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe: Der Speckgürtel rund um Berlin wächst. „Deutschlands Hauptstadtregion ist die vielleicht am meisten unterschätzte Wirtschaftsregion Europas“, sagt Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU). „Das Land ist wachstumsstark und immer stärker geprägt von modernen Industrien und innovativen Dienstleistern.“

Dass es boomt, sagt auch Detlef Stronk. Statt vom Speckgürtel spricht der Geschäftsführer der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB) aber lieber von einem „Wachstumsgürtel“. Neben der Neuansiedlung spiele die Erweiterung bestehender Betriebe eine zunehmende Rolle. „Der Aufschwung ist beim Mittelstand angekommen“, sagt Stronk.

Auch Ulrich Junghanns bevorzugt einen anderen Begriff statt Speckgürtel. Er redet vom „inneren Verflechtungsraum“. Hier befinden sich mit Potsdam, Ludwigsfelde, Fürstenwalde sowie den Bereichen Oranienburg/Velten/Hennigsdorf und Schönefeld/Wildau/Königs-Wusterhausen 5 der 15 von der Landesregierung besonders unterstützten, regionalen „Wachstumskerne“. Hier funktioniert die Wirtschaft auch ohne Länderfusion, weil Unternehmen an der Nahtstelle zur Hauptstadt von den Vorteilen beider Länder profitieren. Der Minister verweist auf die „Toplage“ mit einer Infrastruktur, die schnelle Verbindungen nach ganz Europa ermögliche. Dazu trügen auch die drei Logistikzentren in Freienbrink, Großbeeren und Wustermark bei, wo rund 6500 Mitarbeiter in fast 100 Firmen tätig sind - rund 1000 mehr als noch vor zwei Jahren.

Einig sind sich Junghanns und Stronk, dass der neue Flughafen BBI weitere internationale Investoren anlocken werde. Schon jetzt gebe es verstärkt Anfragen. Am Flughafen selbst arbeiten bereits 5713 Menschen. Von 2005 zu 2006 sind 500 Arbeitsplätze dazugekommen.

Einer der wichtigsten Schwerpunkte der Region ist die Verkehrsindustrie: Die Lufthansa AG in Schönefeld beschäftigt 2000 Mitarbeiter, die Flugzeuge warten und Piloten ausbilden. Bei MTU in Ludwigsfelde arbeiten rund 500 Mitarbeiter an Antrieben für den neuen Airbus-Militärtransporter. Die Uwe Braun GmbH baut in Potsdam-Golm für rund 37 Millionen Euro ein Zentrum für die Produktion von Messtechnik für die Kfz-Industrie. 400 Arbeitsplätze sollen hier entstehen.

Aus dem Werk von Bombardier Transportation in Hennigsdorf rollen Züge in alle Welt. 1800 Angestellte arbeiten hier. Derzeit sind zwar keine Neueinstellungen geplant, „doch das kann sich je nach Auftragslage schnell ändern“, heißt es. Direkt nebenan im Hennigsdorfer Elektrostahlwerk (Jahresproduktion 880 000 Tonnen) ist die Belegschaft mit 713 Beschäftigten konstant, die Zahl der Ausbildungsplätze wurde 2007 hier und am Schwesterstandort Brandenburg/Havel jedoch um 45 Prozent auf insgesamt 86 erhöht.

Ein weiterer Schwerpunkt der Region ist die IT-, Medien- und Kommunikationsbranche. Die Belegschaft bei O2 in Teltow hat sich seit 2004 auf heute 400 Köpfe nahezu verdoppelt.

Auch in anderen Branchen tut sich etwas. Die Film- und Fernsehwelt ist in der Medienstadt Babelsberg zu Hause, wo es 130 Firmen mit über 3000 Mitarbeitern gibt. Rund 30 Millionen Euro hat das Pharmaunternehmen Altana in den Ausbau seines Oranienburger Werkes mit inzwischen rund 400 Beschäftigten investiert.

Der Süßwarenhersteller Katjes schließlich hat in Babelsberg für zwölf Millionen Euro die erste gläserne Bonbonfabrik Europas eröffnet. Beim Personal setzt man auf die Erfahrung des Alters. Zwei Drittel der 60 neu eingestellten Mitarbeiter sind über 50 Jahre alt.

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