Jobs an der Uni : Verhinderte Hilfskräfte - dank Bachelor

Vergleichsweise gute Bezahlung, Planungssicherheit, lernen bei der Arbeit - eigentlich ein Traumjob. Doch seit der Einführung des Bachelor ist es schwieriger geworden, eine Stelle als studentische Hilfskraft an der Uni zu bekommen.

Heidi Simon
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Mehr lernen. Hilfskräfte an der Uni profitieren doppelt von ihrem Job.Foto: ddp

Für viele Studierende in Berlin ist es eigentlich ein Traumjob, als Hilfskraft an ihrer Hochschule arbeiten. Die Verträge gelten meist für zwei Jahre, die Studierenden können ihr Budget sicher planen. Der Stundenlohn liegt bei 10,98 Euro, das ist deutlich mehr als man für gewöhnlich in einer Bar oder in einem Callcenter verdient. Doch seit der Umstellung auf das Bachelor- und Mastersystem gibt es ein Problem. Die gesetzlich festgelegten Bewerbungs- und Anstellungsfristen wurden bisher nicht an das schnellere Studium angepasst. Für Studierende ist es so allein aus formalen Gründen schwierig, sich für eine Stelle zu qualifizieren.

Hintergrund sind die Regeln, die im Berliner Hochschulgesetz festgelegt sind. Studierende müssen danach mindestens zwei Semester an einer Hochschule eingeschrieben sein, bevor sie sich für einen Hilfskraftjob bewerben dürfen. Die Verträge sollen zudem „in der Regel auf vier Semester“ geschlossen werden. Es gibt für Studierende also theoretisch nur noch einen Zeitpunkt, an dem sie sich während ihres sechssemestrigen Bachelorstudiums bewerben können: gleich nach dem zweiten Semester. „Ich werde lügen müssen, wenn ich eine Stelle bekommen will. Ich werde sagen, dass ich auf jeden Fall meinen Master in Berlin machen werde, damit sie mich nehmen“, sagt eine Bachelorstudentin im vierten Semester, die gerade auf Jobsuche ist. Im Master müsste die Bewerbung gleich zu Beginn des Studiums erfolgen.

„Es gibt diesen einen Punkt – jetzt oder nie“, sagt auch Annette Klein, Masterstudentin der FU. Als sie sich erst nach einem Masterjahr für eine Stelle als studentische Hilfskraft bewerben wollte, hatte sie Probleme bei der Suche, da sie nur noch für ein Jahr an der Uni war. Nun hat sie eine Vertretungsstelle für eine Freundin angenommen, die auf diesen Zeitraum beschränkt war.

Für die Hochschulen ist es durchaus sinnvoll, Studierende nicht nur für wenige Monate einzustellen. „Wir bieten Studenten anspruchsvolle Aufgaben“, erklärt Marina Kuszynski aus der Zentralverwaltung der FU. Studierende müssten relativ lange eingearbeitet werden. Damit die Arbeit auch produktiv ist, sei es sinnvoll, wenn die Studenten länger angestellt bleiben. „Zwei Jahre am Stück sind das Mindeste“, sagt Kuszynski. Ihrer Meinung nach sollten die Regeln gelockert werden, sodass Studenten schon ab dem ersten Semester eingestellt werden dürfen.

Doch nicht jede Stelle kann ab dem ersten Semester ausgeübt werden. „Ich muss die Leute erst im Seminar erlebt haben, um einzuschätzen, wie sie arbeiten“, sagt ein wissenschaftlicher Mitarbeiter der Germanistik der FU. Wenn er Hilfskräfte einstellt, müsse er sich in den meisten Fällen darauf verlassen, dass sie auch noch ihren Master in Berlin machen, damit sie lange genug an einem wissenschaftlichen Projekt mitarbeiten. Doch selbst wenn die Studierenden die Absicht haben, für den Master an ihrer Universität zu bleiben, können sie das nicht garantieren. Schließlich müssen sie sich für den Master neu bewerben.

An der TU hat man sich mit der sich verändernden Situation arrangiert. Im Berliner Hochschulgesetz ist noch festgehalten, dass Tutorentätigkeiten nur im Hauptstudium ausgeübt werden dürfen. Allerdings gibt es das nicht im neuen Studiensystem. Deshalb wurde hier eine neue Regelung geschaffen. Studenten können Tutor sein, wenn sie die Veranstaltung, in der sie selber unterrichten wollen, zuvor erfolgreich absolviert haben. Auch langfristig sieht Patrick Thurian, Controller für Lehre und Studium an der TU, für seine Uni kein Problem. „Wir gehen davon aus, dass bei uns 70 Prozent der Studierenden den Master machen werden.“ Auch Tina Michel vom Vorstand des studentischen Personalrats der FU sagt: „Wir haben das Problem erkannt und arbeiten an Lösungen.“

Lars Oberg, wissenschaftlicher Sprecher der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, will sich noch in dieser Legislaturperiode für eine Überarbeitung des Gesetzes einsetzen. „Dass die Stellen auf vier Semester ausgelegt sind, kann man ersatzlos streichen“, sagt er. „Wenn die Arbeit wirklich so komplex ist, sollen die Hochschulen qualifiziertes Personal dafür einstellen. Die Unis erhalten genügend Geld vom Land Berlin.“

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