Jüterbog : Babyleiche im Garten verscharrt

Die Mutter des getöteten Säuglings und ihr Ex-Freund stehen unter dem Verdacht, die Leiche 2009 in ihrem Garten vergraben zu haben, derzeit sitzen sie in U-Haft. Seit 2004 stand die fünfköpfige Familie in Kontakt mit dem Jugendamt.

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Die Ermittler wissen nicht einmal, ob es ein Junge oder ein Mädchen war. Im brandenburgischen Jüterbog (Teltow-Fläming), eine Autostunde südlich von Berlin, haben sie in einem Garten eine Babyleiche gefunden. Die 37-Jährige Mutter und ihr 34 Jahre alter Ex-Partner stehen unter Mordverdacht und sitzen in Untersuchungshaft. Die drei Kinder im Alter von drei bis 17 Jahren hat das Jugendamt in Obhut genommen, sie werden psychologisch betreut.

„Die Obduktion der Leiche gestaltet sich schwierig“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Potsdam. Ob die Rechtsmediziner überhaupt zu einem Ergebnis kommen, ist völlig ungewiss.

Die Überreste des Babys sind stark verwest. Eine Bekannte der Mutter hatte die Polizei am Sonnabend über den Fall informiert und erklärt, dass sich die Frau stellen wolle. Im Garten der beschaulichen Wohnsiedlung machte die Polizei daraufhin den grausigen Fund.

Nach bisherigem Stand soll Kirsten H. das Kind 2009 in der Doppelhaushälfte zur Welt gebracht haben. Marcel T. soll dann das Kind direkt nach der Geburt in einer Ecke des Gartens an einer Schuppenwand verscharrt haben. Ob das Kind noch gelebt hat, ist bislang unklar. Die Eltern schweigen sich dazu aus, hieß es aus Ermittlerkreisen. Kurz nach dem Vorfall sollen sich beide getrennt haben, Kirsten H. war kurzzeitig in einem Frauenhaus untergekommen, hieß es.

Bei den Behörden ist die Frau bekannt. Seit 2004 hält das Jugendamt Kontakt zu ihr. Es geht um Sorge- und Umgangsfragen für ihre zwei älteren Kinder, die 17 und neun Jahre alt sind. Das Jüngere von beiden, ein Mädchen, war im Juli 2006 aus dem sechsten Stock eines Plattenbaus gestürzt und überlebte schwer verletzt. Die Mutter war damals nicht daheim, sondern tanzen. Ein Ermittlungsverfahren dazu wurde eingestellt. „Wir haben eine Beratung aufgenommen und Hilfestellungen angeboten“, sagte Horst Bührendt, Jugenddezernent im Landratsamt von Teltow-Fläming. Eine Kindeswohlgefährdung sei aber nicht festgestellt worden. Dass die Frau 2009 mit einem vierten Kind schwanger war, „war für uns nicht ersichtlich“, sagte Bührendt. Nach einer ersten Durchsicht der Akten seien keine Versäumnisse des Jugendamtes festzustellen, sagte Bührendt. Der Dezernent kündigte aber eine intensive Prüfung des Falles an. Nachbarn berichten von einem Alkoholproblem der Mutter und gewalttätigen Auseinandersetzungen mit ihrem Ex-Freund. Sogar die Polizei musste einschreiten.

Der Bürgermeister von Jüterbog, Bernd Rüdiger (FDP), reagierte entsetzt auf den Fall. Er kenne die Familie vom Sehen, habe aber nie etwas Auffälliges bemerkt. Jugendamtschef Bührendt sagte: „Wir sind schockiert über diese Tragödie.“ Der Fall weckt Erinnerungen an den Fund von neun Babyleichen in Brieskow-Finkenheerd im Jahr 2005. Die Mutter wurde wegen Totschlags zu 15 Jahren Haft verurteilt.

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