Jugendarbeit : Einer gegen die Landflucht

Andreas Pförtner ist Chef der Landjugend: Er kämpft für mehr Angebote für junge Leute in den Dörfern. Auf der Grünen Woche in Berlin stellt er sein Konzept vor.

Hadija Haruna
Pförtner
Andreas Pförtner -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Berlin - Andreas Pförtner liebt Gothic- Metal und das Land. In seiner Band XAIP singt er vom Weltuntergang und unerfüllter Liebe. In seiner Freizeit setzt er sich für die Jugendarbeit im ländlichen Raum ein. Der 28-jährige Vorsitzende des Landesvorstandes der Berlin-Brandenburgischen Landjugend ist im 250-Seelendorf Bückwitz bei Neuruppin aufgewachsen. Mit seinen langen Haaren und den schwarzen Klamotten bricht er jedes Klischee eines Dorfbuben. Andreas will jungen Menschen das Leben auf dem Land schmackhaft machen und verhindern, dass immer mehr in die Städte abwandern. Viele seiner Freunde sind zum Arbeiten und Studieren weggezogen und nicht wieder zurückgekehrt. Manche Argumente, wie den viel zitierten Frauenmangel, kann er nachvollziehen. „Trotzdem leben auf dem Land nicht nur dumme Bauern, die in Trachten rum rennen und alle keine Frau haben“, sagt er.

Mit 15 Jahren ist Andreas als Ferienbetreuer zur Landjugend gekommen. Seit 1990 betreut der eingetragene Verein Jugendclubs, vermittelt bei Konflikten zwischen Gemeinden und Jugendgruppen, bietet Ferienfahrten und ein Austauschprojekt mit Polen. Ihm gehören rund 1000 Mitglieder an, die sich in mehr als 60 Einrichtungen treffen, von Jugendtreffs bis zur schwul-lesbischen Gruppe.

Bei der Landjugend habe Andreas sein Organisationstalent entdeckt. „Sie fördern dich und das verselbstständigt sich.“ Ohne den Verein wäre er nie auf die Idee gekommen, sein Abitur zu machen. „Vorher wollte ich Polizist werden, dann Sozialpädagogik studieren. Die beruflichen Aussichten waren mir aber zu unsicher. Ich bin doch eher der konservative Typ.“ Er verpflichtet sich für zwei Jahre bei der Bundeswehr und arbeitet sechs Monate lang als SFOR-Soldat in Sarajewo. Noch einmal würde er das nicht tun. „Dort musst du tun, was man dir sagt. Damit hatte ich große Probleme.“

Nach seiner Rückkehr beginnt Andreas in Berlin Medizin zu studieren. Der Landjugend bleibt er dennoch treu. „Ich will Jugendlichen fördern, so wie ich gefördert wurde.“ Er kämpft darum, dass die Gelder für die Jugendbetreuung auf dem Land nicht gekürzt werden. „Es gibt dort nicht viele Angebote für Jugendliche. Wir versuchen, sie positiv zu prägen. Denn überall da, wo die Jugendarbeit nicht gefördert wird, rutschen die Rechten rein.“ Mit Fahrten, die von der Landjugend gemeinsam mit Schulen organisiert wurden, sollen auch rechts gesinnte Jugendliche erreicht werden. „Eine Fahrt nach Au schwitz hat schon das Bewusstsein von Einigen verändert.“

Die Landjugend ist auch auf der Grünen Woche vertreten, nicht nur mit den Mitgliedern des Landesverbands Berlin-Brandenburg: Auf ihrem alljährlichen Ball treffen sich die Mitglieder aus dem gesamten Bundesgebiet – im Internationalen Congress Centrum unter dem Berliner Funkturm. „Das ist ein erhebendes Gefühl. Alle sind total schick und es wird getanzt – von Walzer bis Tango.“

Im Sommer wird Andreas sein Studium beenden. Dann will er als Assistenz arzt wieder in seinen Heimatort Neuruppin arbeiten. „Zwar mag ich Berlin mit seinen Vorzügen, aber das Anonyme liegt mir nicht.“ Er brauche die ländliche Ruhe als Ausgleich. Dass ihn viele seiner Kommilitonen deswegen belächeln, stört Andreas nicht. „Klar ist die Frage, was ich dann abends mache. Aber Berlin ist ja nicht weit weg und probieren will ich es auf jeden Fall.“ 

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben