Jugendkriminalität : Heute kommt Adnan ins Heim

Zwei Tage lang war der 13-jährige Berliner Serientäter in einer Klinik untergebracht. Heute kommt er in ein geschlossenes Heim in Brandenburg.

Sigrid Kneist

Heute soll der 13-jährige Serientäter Adnan F. in ein Jugenderziehungsheim in Brandenburg kommen. Seit Dienstag ist der Junge, der noch am Montag versuchte, zwei Mopeds zu stehlen, in der Kinderpsychiatrie des Lichtenberger Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge (KEH) untergebracht. Dabei schien es gestern keine Probleme gegeben zu haben; anders als Ende Juni bei seinem ersten Aufenthalt dort, als er am Tag nach seiner Einweisung wieder entwich. „Sie können sicher sein, dass wir uns bei einer Eins-zu-eins-Betreuung richtig um den Jungen kümmern“, sagte ein Kliniksprecher. Weitere Angaben zum Verhalten des Kindes wollte er nicht machen. Adnan, der aus einer Familie libanesischer Kriegsflüchtlinge stammt, wird jetzt rund um die Uhr von einem Pfleger bewacht.

Laut einem Beschluss des Vormundschaftsgerichts wird der 13-Jährige am heutigen Donnerstag in das Heim nach Brandenburg gebracht. Dieses gilt als geschlossene Einrichtung, auch wenn es dort keine Gitter oder unüberwindbaren Mauern gibt. Darauf wies gestern die Bezirksbürgermeisterin von Lichtenberg, Christina Emmrich (Die Linke), hin. Das dortige Jugendamt ist zuständig, da Adnans Familie in dem Bezirk lebt. Nun müsse geschaut werden, „ob es möglich ist, einen 13-Jährigen wieder auf einen vernünftigen Weg“ zu bringen, sagte die Bezirksbürgermeisterin. Der Junge werde in dem neuen Heim die intensive sozial-pädagogische Betreuung bekommen, die er brauche. Sie befürchte auch nicht, dass er schnell wieder die Einrichtung verlassen werde. Nach Emmrichs Angaben waren die Eltern in der Vergangenheit „nicht sehr kooperativ“. Sie müssten jedoch nicht eingebunden werden, da seit gut einem Jahr die Arbeiterwohlfahrt (AWO) die Vormundschaft für den Jungen hat. Auch der Vater soll nach Informationen des Tagesspiegel früher als Serientäter aufgefallen sein. Er hat sich aber in den letzten Jahren nichts mehr zuschulden kommen lassen.

In der vergangenen Woche hat es Kommunikationspannen zwischen Behörden und AWO gegeben. Dort wusste man tagelang nichts über den Verbleib des Jungen, der zwei Mal aus einem Heim im brandenburgischen Frostenwalde entweichen konnte und sich beim letzten Aufenthalt im Heim so aggressiv verhalten hatte, dass er zum Berliner Jugendnotdienst gebracht wurde – den er auch wieder verließ. Ob die Polizei davon wusste, ließ sich gestern nicht klären. Gegen Adnan hat die Polizei bereits mehr als 100 Mal ermittelt. Er zählt zu den „Intensivtätern“. So bezeichnet die Polizei junge Kriminelle, die mehr als zehn Straftaten begangen haben. Laut Polizeipräsident Dieter Glietsch fallen in Berlin sechs Kinder unter diese Definition. Noch gilt Adnan als nicht strafmündig; im November wird er 14 Jahre alt.

Nach der Statistik der Polizei fielen vergangenes Jahr rund 5500 Kinder bei Straftaten auf. Das sind zwar 210 Kinder mehr als 2005, aber dennoch ist es der zweitniedrigste Wert seit der Wiedervereinigung. Am häufigsten fielen Kinder beim Ladendiebstahl auf. Rund ein Viertel der Taten waren Körperverletzungen. Zudem begingen Kinder Taten wie Sachbeschädigung, Raub, Rauschgiftstraftaten oder Taschendiebstahl. 

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