Der Tagesspiegel : Junge Tischler ins alte Bauhaus

In Bernau wurde ein Gebäude aus den 30er Jahren saniert und dient als Lehrlingsinternat

Falk Jaeger

Bernau - Es gibt einst so berühmte Bauten der Moderne, die galten als Meilensteine der Baugeschichte. Sie sind in allen einschlägigen Büchern abgebildet und in Realität doch vergessen, weil man sie längst zerstört und verschwunden glaubte. Dabei haben sie nur in der DDR-Zeit ein Schattendasein geführt. Sie wurden vernachlässigt, umgenutzt, umgebaut. Erich Mendelsohns Hutfabrik in Luckenwalde gehört dazu, Hans Scharouns Haus Schminke in Löbau oder die Großfunkstation Nauen von Hermann Muthesius.

Zu diesen nun durch eine sorgfältige Sanierung in den ursprünglichen Zustand versetzten Preziosen gehört auch die ehemalige Bundesschule des Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) in Bernau. Sie ist das Hauptwerk Hannes Meyers, der Walter Gropius als Direktor des Bauhauses nachgefolgt war.

Nur kurz hat der zwischen 1928 und 1930 erbaute Komplex mit Internatsschule, Saalbau, Mensa und den charakteristischen, abgetreppt der Topographie folgenden dreigeschossigen Bettenhäusern seinem ursprünglichen Zweck gedient. Die NSDAP okkupierte das Anwesen und richtete eine Führungsschule ein. 1936 folgte die SS und bereitete dort den Überfall auf Polen vor. Eine Nachkriegsepisode als russisches Lazarett endete 1947, als der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB) das Gebäude zugesprochen bekam. In die Zeit der neuerlichen gewerkschaftlichen Nutzung fielen mehrere Umbauten und Erweiterungen. Der signifikante Kopfbau verschwand hinter einem Vorbau, die drei Schornsteine (als „Dreieinigkeit von Gewerkschaft, Sozialdemokratie und Genossenschaft“ gedeutet) mussten fallen. Hier wurden Stahl- durch Holzfenster ausgewechselt, dort der gläserne Gang bis auf Brüstungshöhe vernagelt, im Saal eine Zwischendecke eingezogen, der Speiseraum gemütlich vertäfelt, kurzum, bis zur Denkmalschutzstellung 1977 hat man sich das Gebäude mit den dürftigen zur Verfügung stehenden Mitteln gefügig gemacht.

Dennoch kann der inzwischen von der Handwerkskammer Berlin mit großem Engagement sanierte Bau heute als Glücksfall der Denkmalpflege gelten. Denn die Sanierung unter der umsichtigen Leitung des als Spezialist für die frühe Moderne ausgewiesenen Architekten Winfried Brenne brachte immer wieder positive Überraschungen und Befunde mit sich. Erstaunlich viele Details waren noch tauglich und konnten repariert werden. Der Saal wurde wieder geöffnet, die Küchenfenster wurden rückgebaut. Zur Rekonstruktion der Glaswände der Waschräume gelang es, neue Glasbausteine nach dem alten Muster zu produzieren. Mittlerweile sind angehende Gerüstbauer, Tischler und Maler in das Gebäude eingezogen. Es dient als Lehrlingsinternat.

Heute zeigt die Anlage wieder ihre gestalterischen Qualitäten, für die so viele Jahre niemand ein Auge hatte. Dies gilt auch für das Innere des Gebäudes, das wieder in den kräftigen Wandfarben gefasst wurde und viel erhaltene Originalsubstanz aufweist. Sogar ein Waschraum mit der ursprünglichen Ausstattung ist zu besichtigen. So ist Bernau als hervorragendes und anschauliches authentisches Zeugnis der Bauhausarchitektur wiedergewonnen worden.

Besichtigungen, auch mit Führung, ermöglicht der Verein „Baudenkmal Bundesschule Bernau“. Die Telefonnummer lautet: (03338) 767875. Mehr Infos: www.baudenkmal-bundeschule-bernau.de

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