Der Tagesspiegel : Junge Wagen für alte Menschen

Die Demografie erreicht den deutschen Pkw-Markt: Es werden weniger Neuwagen gekauft. Im Schnitt ist ein Auto 8,1 Jahre alt

Alfons Frese

Berlin - Die Alterung der Gesellschaft wirkt sich auf dem deutschen Automarkt aus. Weil die Autofahrer älter werden und weil ältere Fahrzeughalter weniger fahren, sinkt der Neuwagenverkauf. Nach Einschätzung des Prognoseinstituts B & D „reduziert dieser Struktureffekt den deutschen Automarkt um 70 000 bis 80 000 Neuwagenverkäufe pro Jahr“. Trotz der guten Konjunktur werde der deutsche Markt deshalb nicht mehr das Niveau aus den 90er Jahren erreichen. Damals, zwischen 1995 und 1999, wurden in Deutschland im Schnitt 3,6 Millionen Autos im Jahr erstmals zugelassen. In den folgenden Jahren, von 2000 bis 2006 lag der durchschnittliche Neuwagenverkauf nur noch bei 3,3 Millionen Fahrzeugen.

Die älteren Autofahrer würden ihr Fahrzeug weniger nutzen als jüngere. „Damit altern die Fahrzeuge der ,60plus’-Generation nach dem Tacho langsamer. Der Auswechselprozess des Fahrzeugbestands verliert an Geschwindigkeit“, heißt es bei B & D. Das bestätigt die Statistik: Die Autos auf den Straßen hierzulande sind inzwischen 8,1 Jahre alt, Anfang der 90er lag das durchschnittliche Autoalter noch knapp über sechs Jahre. „Die Fahrzeuge kommen ins Methusalem-Alter, weil die Autokäufer ins Methusalem-Alter kommen.“

B & D, das Prognoseinstitut des Gelsenkirchener Marktexperten Ferdinand Dudenhöffer, spricht in dem Zusammenhang von einem Kuba-Effekt, benannt nach den alten Schlitten, die auf der Karibikinsel fahren. Das Alter der Autos ist im Übrigen in den europäischen Ländern sehr unterschiedlich. In Luxemburg fahren mit 5,5 Jahren die jüngsten Fahrzeuge, gefolgt von Irland (Durchschnittsalter 6,0) und England (7,1). Mit Abstand die ältesten Autos nutzen die Finnen (10,8 Jahre), die Griechen (9,4) und die Portugiesen (8,5). Dann kommen schon die Deutschen, auf deren Straßen inzwischen jedes zehnte Auto älter als 16 Jahre ist. Alles in allem erwartet Dudenhöffer, dass „in den nächsten Jahren nicht mehr die goldenen Verkaufszahlen des früheren deutschen Automarkts erreicht werden“. Dabei hat der deutsche Markt durchaus noch Potenzial, wenn man sich die USA zum Vorbild nimmt. Dort kommen nämlich auf 1000 Einwohner 670 Pkw, hierzulande sind es 556.

Von den deutschen Marken hat Mercedes die ältesten Kunden, die stärkste Käufergruppe ist über 60; dagegen liegen bei Audi und BMW die größten Käufergruppen zwischen 40 und 50 Jahren. Die jüngsten Käufer einer „deutschen“ Marke hat Porsche mit einem durchschnittlichen Alter von 47,9 Jahren. Wer sich einen neuen VW kauft, ist im Schnitt 49,3 Jahre alt und der Opel-Käufer sogar 52,1 Jahre. Alfons Frese