Justiz : Urteil gegen Sexualmörder in Italien

Ein Gericht im norditalienischen Imperia hat einen 56-jährigen Deutschen zu zwei Jahren Haft wegen Freiheitsberaubung, Körperverletzung und Widerstand gegen die Staatsgewalt verurteilt. Bald wird entschieden, ob der aus Brandenburg geflüchtete Sexualmörder nach Deutschland ausgeliefert wird.

Brandenburg/Havel - Brandenburgs Gewerkschaft der Polizei (GDP) hat die zügige Verurteilung des aus der Haft in Brandenburg/Havel geflüchteten Sexualmörders Günther F. durch die italienische Justiz begrüßt. „Dieses Tempo, diese konsequente Reaktion würde man sich von der hiesigen Justiz bisweilen auch wünschen“, sagte Landeschef Andreas Schuster am Dienstag. Ein Gericht im norditalienischen Imperia hatte am Vortag den 56-jährigen Deutschen zu zwei Jahren Haft wegen Freiheitsberaubung, Körperverletzung und Widerstand gegen die Staatsgewalt verurteilt. Er war zehn Tage zuvor an der Riviera festgenommen worden, nachdem er dort eine Frau und deren siebenjährige Tochter mit einem Messer bedroht, als Geiseln genommen und bei seiner Festnahme einen Polizisten verletzt hatte. Nächste Woche will ein Gericht in Genua über seine Auslieferung an Deutschland entscheiden.

Günter F. hatte am 25.Mai einen seiner regelmäßigen Freigänge – er besuchte wegen seines Alkoholproblems eine Therapieeinrichtung in Berlin – aus dem offenen Vollzug der JVA Brandenburg zur Flucht genutzt, wo er seit 1986 eine Strafe wegen Mordes und Vergewaltigung einer Bekannten verbüßt. Über seine Gefährlichkeit gab es nach der Flucht erkennbare Differenzen zwischen Polizei und Justizministerium, das Günter F. nicht für besonders gefährlich hielt. Es verwies damals auf seine Unauffälligkeit in der Haft, rund 70 unbegleitete Ausgänge ohne Vorkommnisse und das Fehlen jedweder Fluchthinweise. Die Polizei, aber auch seine Therapeutin hielten den Mann dagegen für aggressiv und gewaltbereit. Zudem stellte sich heraus, dass F. seine Flucht lange geplant hatte. GdP-Chef Schuster sieht die Linie der Polizei durch die Straftaten von F. in Italien bestätigt. In Fällen wie diesen müsse „künftig noch kritischer unter die Lupe genommen werden“, ob Ausgänge gerechtfertigt seien. thm

0 Kommentare

Neuester Kommentar