Kabinettsposten : Wer könnte unter Obama oder McCain Minister werden?

Die Präsidentschaftswahl in den USA am kommenden Dienstag wird den Startschuss geben für die hochkarätigste Job-Börse der Welt. Fest steht noch nichts, doch viele der Berater um McCain und Obama haben Ambitionen auf einen Ministerposten.

Peter Wütherich[AFP]
Summers Clinton Rubin
Bilder aus der Vergangenheit: Im Jahr 2000 war Lawrence Summers Finanzminister, im Hintergrund Bill Clinton und der ehemalige...Foto: AFP

WashingtonDer neue Präsident darf hunderte Posten in Regierung und Verwaltung neu besetzen, Möbelpacker erleben bei Regierungswechseln in Washington traditionell Hochkonjunktur. Der Demokrat Barack Obama und der Republikaner John McCain haben sich mit einem Kreis von Beratern umgeben, die im Falle eines Wahlsiegs die Hebel der Macht in Washington übernehmen dürften.

Die erste Bewährungsprobe des neuen Präsidenten dürfte die Finanzkrise sein. Obama Wirtschaftsteam wirkt wie ein Who is Who der Entourage von Präsident Bill Clinton aus den 90er Jahren. In Obamas Team arbeiten Clintons frühere Finanzminister Robert Rubin und Lawrence Summers mit, beide sind weltweit angesehene Experten. Eine Rückkehr von Summers ins Finanzministerium gilt als möglich, auch der Chef der New Yorker Zentralbank, Tim Geithner, wird als Kandidat gehandelt. Zu Obamas Beratern zählt außerdem der legendäre Investment-Milliardär Warren Buffet. Mit 78 Jahren dürfte er aber wohl kein Interesse mehr an einem Wechsel in die Politik haben.

McCain versucht in Wirtschaftsfragen mit Sachverstand von außerhalb der Politik zu punkten. Zu seinen Beratern zählen die bekanntesten Wirtschaftsführerinnen der USA: die frühere Ebay-Chefin Meg Whitman und die Ex-Chefin des Computerriesen Hewlett Packard, Carly Fiorina. Beide gelten als denkbare Seiteneinsteigerinnen ins Amt des Finanzministers. Auch Microsoft-Chef Steve Ballmer steht McCain mit Rat zur Seite. McCains federführender Wirtschaftsberater im Wahlkampf ist der Ex-Chef des Kongress-Rechnungshofs, Doug Holtz-Eakin. Obamas Chefberater ist der 38 Jahre alte Harvard-Ökonom Jason Furman. Beide gelten als wirtschaftsfreundlich.

Außenminister muss zerbrochenes Porzellan kitten

Viel Arbeit wird auch auf den nächsten Außenminister zukommen, weil beide Kandidaten erklärtermaßen das Image der USA im Ausland verbessern wollen. Als Chefdiplomat einer Regierung Obama wird in US-Medien immer wieder Senator John Kerry genannt, der unterlegene Präsidentschaftskandidat von 2004. Kerry gilt als welterfahren und spricht als einer der wenigen US-Politiker fließend französisch. Auch Gouverneur Bill Richardson, unter Clinton Chef der US-Mission bei der UNO, gilt als Anwärter. Als Favorit für den Posten nach einem Wahlsieg McCains gilt Senator Joe Lieberman. Lieberman ist Demokrat, unterstützt aber McCain. Durch diese Personalie könnte McCain sein Versprechen umsetzen, überparteilich zu regieren.

Auch Obama könnte als Geste der Kooperation einen Republikaner ins Kabinett berufen. Als Anwärter für den Posten des Verteidigungsministeriums gelten die republikanischen Senatoren Chuck Hagel und Richard Lugar - und sogar Ex-Außenminister Colin Powell, der inzwischen Obama unterstützt. Aus Obamas Umfeld verlautete zudem, dass auch ein Verbleib des angesehenen Ressortchefs Robert Gates im Pentagon denkbar sei. Dem Amtsinhaber werden auch unter einer Regierung McCain Chancen auf den Verbleib eingeräumt. Auch der von McCain hochgelobte bisherige Irak-Kommandeur David Petraeus zählt zu den Anwärtern.

Die Männer hinter den Kulissen

Keine Aussicht auf Kabinettsposten, dafür aber auf die Rolle als mächtige Strippenzieher hinter den Kulissen des Weißen Hauses könnten die Chefstrategen der Kandidaten in der Wahlkampfplanung haben. Obamas Berater David Axelrod gilt als das "Hirn" der Kampagne. Er hat das Schlagwort "Wandel" in den Mittelpunkt gestellt und Obama damit eine zugkräftige Botschaft verpasst. Axelrod tritt stets höflich auf, weiß aber auch, wie im Wahlkampf aggressiv ausgeteilt wird. Axelrods Gegenpart bei McCain ist dessen Chefstratege Steve Schmidt, der sein Handwerk bei George W. Bushs legendärem Wahlkampfguru Karl Rove gelernt hat. Ihm wird zugeschrieben, dass McCain im Wahlkampf die Samthandschuhe beiseite legte und Obama hart anging.