Kabul : Steinmeier und Merkel verurteilen Selbstmordanschlag

Einige Stunden nach dem Selbstmordanschlag vor der deutschen Botschaft in Kabul haben sich Kanzlerin Merkel und Außenminister Steinmeier empört geäußert. Mittlerweile gibt es Zweifel daran, dass das Attentat den Deutschen gegolten hat.

Mey Dudin,Friedrich Kuhn[ddp]
Kabul
Aufruhr im Diplomatenviertel von Kabul: Bei einem Selbstmordanschlag vor der deutschen Botschaft in Kabul sind am Samstag mehrere...Foto: AFP

Kabul Bei einem Bombenanschlag vor der deutschen Botschaft im afghanischen Kabul sind am Samstag mehrere Menschen getötet worden. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes wurden ersten Erkenntnissen zufolge auch Mitarbeiter der Botschaft verletzt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich bestürzt über den Selbstmordanschlag gezeigt. Merkel sei entsetzt über diesen "menschenverachtenden Terrorakt", hieß es in einer Mitteilung, die am Samstag in Berlin verbreitet wurde. Die Kanzlerin betonte, Deutschland werde sich weiter in Afghanistan engagieren. Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verurteilte "feigen Akt der Barbarei" und bekräftigte die Notwendigkeit des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan.

Steinmeier sagte in Berlin: "Unser Mitgefühl ist in dieser schweren Stunde bei den afghanischen Opfern des Anschlags." Er fügte hinzu: "Deutschland steht zu seinem Engagement in Afghanistan. Wir werden uns durch Terror und Schrecken nicht davon abbringen lassen, unsere Hilfe für das afghanische Volk fortzusetzen. Nicht Terrorismus und Gewalt, sondern Sicherheit und Demokratie sind die Zukunft Afghanistans; dafür werden wir uns weiterhin einsetzen."

Keine Bundeswehrsoldaten betroffen

Die Zahl der Todesopfer war zunächst unklar. Aus Geheimdienstkreisen hieß es, drei afghanische Zivilisten seien getötet worden. Bundeswehrsoldaten wurden den Angaben nach nicht verletzt. Auch seien entgegen ersten Meldungen keine US-Soldaten getötet, aber mehrere verletzt worden. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge bekannten sich die Taliban zu dem Anschlag.



Zweifel gibt es allerdings daran, ob die Angreifer die deutsche Repräsentanz als Ziel der Attacke vorgesehen hatten. So wiesen Geheimdienstkreise in Kabul darauf hin, dass sich der Anschlag "primär" gegen die Amerikaner gerichtet haben dürfte. Der Angriff soll dem US-Ausbildungscamp für afghanische Polizisten gegolten haben, das sich schräg gegenüber der Botschaft befindet. Taliban würden nun lediglich aus "Propagandagründen" behaupten, dass es sich um eine Attacke gegen die deutsche Botschaft und die Präsenz der Bundeswehr in Afghanistan gehandelt habe, hieß es.

Laut Auswärtigem Amt verursachte die Explosion einen erheblichen Sachschaden an der Botschaft. Zur Verstärkung der Sicherheit der Botschaft wurden den Angaben nach Feldjäger der Bundeswehr am Ort eingesetzt. An der Botschaft nahm ein Krisenstab die Arbeit auf. Normalen Geschäftsbetrieb gab es wegen des Wochenendes - in Afghanistan am Freitag und Samstag - in der deutschen Botschaft ohnehin nicht.