Kämpfe im Gazastreifen : Fatah droht mit Regierungsbruch

Angesichts der Eskalation der Gewalt im Gazastreifen hat die Fatah den Rückzug ihrer Minister aus der Einheitsregierung mit der radikal-islamischen Hamas angekündigt.

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Gaza: Ein Junge blickt im Vorbeigehen auf ein brennendes Auto der Fatah.Foto: dpa

GazaAngesichts der Eskalation der Gewalt im Gazastreifen hat die Fatah den Rückzug ihrer Minister aus der Einheitsregierung mit der radikal-islamischen Hamas angekündigt. Nach einem Beschluss des Fatah-Zentralkomitees vom Dienstagabend sollen die Ressortchefs ihre Ämter zunächst ruhen lassen, bis eine Waffenruhe ausgehandelt sei. Sollten die Kämpfe dann nicht vollständig eingestellt werden, werde sich die Fatah endgültig aus der Einheitsregierung zurückziehen, sagte der zur Fatah gehörende Regierungssprecher Nabil Abu Rudeineh. Ungeachtet aller Appelle zur Einstellung der Kämpfe ging das Blutvergießen weiter. Zwischenfälle wurden auch aus dem Westjordanland gemeldet.

Nach Berichten von Ärzten wurden bei der Einnahme des Hauptquartiers der zur Fatah gehörenden Sicherheitskräfte im Norden des Gazastreifens durch Hamas-Kämpfer am Dienstagabend mindestens 21 Menschen getötet und dutzende weitere verletzt. Zuvor waren bereits binnen 24 Stunden mindestens 19 Palästinenser im Gazastreifen bei Schießereien zwischen den verfeindeten Gruppen getötet worden.

Hamas erobert Fatah-Hauptquartier

Hamas-Milizen hätten das Areal um des Hauptquartier der Fatah- Sicherheitskräfte nahe dem Flüchtlingslager Dschabalia völlig unter Kontrolle, teilten Hamas und Sicherheitskräfte später mit. Zuvor hatten Hamas-Milizionäre bereits gewaltsam die Kontrolle über die Stadt Chan Junis im Süden des Gazastreifens übernommen und dort Polizeistationen besetzt. Mehr als 90 Mitglieder der Präsidialgarde und der von der Fatah kontrollierten Polizei hätten sich ergeben, verlautete aus Polizeikreisen.

Auch im Norden des Gazastreifens forderten Hamas-Milizionäre die Fatah-Polizeitruppe zur Aufgabe auf. Sie erklärten den Norden des Gazastreifens zu einem "militärischen Sperrgebiet" unter Kontrolle ihrer Kassam-Miliz.

Auch im Westjordanland kam es in der Nacht zum Mittwoch zu Gewalttätigkeiten zwischen den verfeindeten Gruppen. Nach Berichten des israelischen Onlinedienstes "Ynet" setzten Kämpfer der Fatah in Ramallah Gebäude der Hamas in Brand. Auch das Büro des palästinensischen Ministerpräsidenten Ismail Hanija (Hamas) in der Stadt sowie die Läden von zur Hamas gehörenden Besitzern seien beschossen worden. In Nablus hätten Fatah-Kämpfer ebenfalls Hamas- Einrichtungen angegriffen und in Brand gesteckt. Mehrere Hamas- Aktivisten seien verletzt worden, hieß es.

Am Dienstag hatten die Al-Aksa-Märtyrerbrigaden, der bewaffnete Arm der Fatah, mit einer Ausweitung des Konflikts auf das Westjordanland gedroht, wenn die Hamas ihre Feindseligkeiten im Gazastreifen nicht einstelle.