Der Tagesspiegel : Kaiserin Victoria: Ehrenrettung für eine Kaiserin

Helmut Caspar

Als Kaiserin Friedrich vor einhundert Jahren starb, hielt sich die Hoftrauer in Grenzen. Ihr Sohn Wilhelm II., der bereits im Amt war, stand mit seiner Mutter auf nicht gerade freundschaftlichem Fuß. Dennoch ließ er für die Tote von seinem Hofbildhauer Reinhold Begas einen prächtigen Marmorsarkophag fertigen und ihn neben dem Sarg von ihrem Mann Friedrich III. in das Mausoleum bei der Potsdamer Friedenskirche stellen. Kaiserin Friedrich, wie sie nach ihrem Mann genannt wurde, hieß eigentlich Victoria, wie ihre Mutter, die Queen von England. Die Preußische Schlösserstiftung öffnet anlässlich des 100. Todestages der Kaiserin am 5. August das Mausoleum und zeigt damit ein herausragendes Bauwerk des wilhelminischen Neobarock. An die Kaiserin Friedrich erinnert ab 5. August eine Ausstellung, die der musisch begabten und sozial engagierten Monarchin Gerechtigkeit widerfahren lassen will. Die Ausstellung im Babelsberger Schloss, in dem das Paar glückliche Tage verlebte, zeigt unter anderem Gemälde und Zeichnungen der Kaiserin, aber auch Briefe und andere Zeugnisse, aus denen liberale Gesinnung und Anteilnahme an den politischen Kämpfen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hervorgehen.

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