Kambodscha : Führende Mitglieder der Roten Khmer inhaftiert

Kambodscha arbeitet seine düstere Vergangenheit auf. Nach dem ehemaligen Folterchef und dem Chefideologen des Terrorregimes wurden jetzt auch der Außenminister und die Sozialministerin inhaftiert. Ihnen werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen.

Phnom PenhDie kambodschanische Polizei hat auf Antrag des internationalen Rote-Khmer-Tribunals zwei weitere ranghohe Vertreter des früheren Schreckenregimes verhaftet. Nach Angaben von Augenzeugen wurden der ehemalige Außenminister der Roten Khmer, Ieng Sary, und seine Frau, Ex-Sozialministerin Ieng Thirith, in ihrer Villa in Phnom Penh festgenommen und in das Gerichtsgefängnis gebracht. Laut einem Sprecher des Tribunals sollen sie wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit unter Anklage gestellt werden.

Derzeit warten bereits der ehemalige Chefideologe der Roten Khmer, Nuon Chea, sowie der unter dem Namen Duch bekannte Leiter des berüchtigten Folter-Gefängnisses von Phnom Penh auf ihren Prozess vor dem im vergangenen Jahr gemeinsam von den Vereinten Nationen und Kambodscha ins Leben gerufenen Gericht. Auf der Liste stehen insgesamt fünf Verantwortliche des steinzeitkommunistischen Regimes, deren Namen bislang nicht offiziell bekannt gegeben wurden. Der letzte dürfte Ex-Staatschef Khieu Samphan sein. Der eigentliche Architekt der Schreckensherrschaft, Pol Pot, starb bereits 1998. Ihm und seinen Anhängern waren zwischen 1975 und 1979 rund zwei Millionen Menschen - rund ein Fünftel der Bevölkerung Kambodschas - zum Opfer gefallen.

"Bruder Nummer 1"

Ieng Sary soll inzwischen 78 Jahre alt sein. Unter "Bruder Nummer 1" Pol Pot war der in Frankreich ausgebildete Kommunist das öffentliche Gesicht des Regimes. Er überredete viele geflüchtete Studenten und Diplomaten zur Rückkehr nach Kambodscha, wo sie später als "Intellektuelle" festgenommen und ermordet wurden. 1979 wurde er in Abwesenheit wegen Völkermords verurteilt, 1996 aber von der Regierung Hun Sen amnestiert, nachdem er sich freiwillig gestellt hatte. Seitdem lebten er und seine Frau unbehelligt in ihrer Villa in Phnom Penh. Als einziger Vertreter der Roten-Khmer-Führung spielte er als Gründer einer kleineren Partei auch später noch offen eine politische Rolle. Seine Frau Ieng Thirith blieb noch lange nach dem Ende der Roten Khmer eine glühende Anhängerin Pol Pots. Sie und ihr Mann sollen über ein großes Vermögen verfügen.

Die Prozesse gegen die alte Führungsgarde der Roten Khmer beginnen voraussichtlich im kommenden Jahr. Doch die Sorge wächst, dass die in die Jahre gekommenen Angeklagten nicht mehr zu Lebzeiten für ihre Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden können: Nuon Chea, Pol Pots inzwischen 82-jähriger Stellvertreter, ist gesundheitlich schwer angeschlagen, und auch Ieng Sary leidet an einer Reihe von Gebrechen sowie an Herzproblemen. (mit dpa)