Der Tagesspiegel : Kamele ziehen durch die Mark

Die Karawane kommt: Ein Bauernhof nördlich Berlins bietet Ausritte auf Trampeltieren an

Claus-Dieter Steyer

Nassenheide - In der langen Liste erfolgversprechender Geldanlagen spielten Kamele bislang keine Rolle. Das könnte sich möglicherweise ändern, falls das Experiment von zwei Tierfreunden in Nassenheide bei Oranienburg gelingt. Gabriele Heidicke und Günter Peuntinger haben sich vor drei Jahren in die Trampeltiere mit den zwei Höckern verliebt, drei von ihnen gekauft und dazu ausgebildet, Reiter zu tragen.

Nun bieten sie Ausritte für Touristen durch die gleich hinter ihrem Hof beginnenden Weiden und Wälder an. Eine Stunde oder länger können sich kleine und große Gäste den klugen, genügsamen und zutraulichen Tieren aus Asien anvertrauen.

Seit zweieinhalb Jahren leben Sulaika, Fatima, Katanna mit inzwischen zwei Fohlen auf dem Fleckschnupphof in der Nähe der Kirche von Nassenheide, das die meisten Autofahrer nur von der Tankstelle an der B 96 kennen. Der Name für das Anwesen entsprang der Fantasie. „Es gibt natürlich keine Fleckschnuppen“, sagt Gabriele Heidicke. „Wir besitzen aber mehrere Pferde der stolzen Knabstupper-Rasse, die schwarze Punkte auf einem weißen Fell tragen.“ Aus Wortspielereien sei dann im Laufe der Zeit der Name für den Hof entstanden. Auf ihm fühlen sich außer den Besitzern Schweine, Hühner, Kaninchen, Ziegen, Katzen, Meerschweinchen, ein Hund und eben auch die Kamele wohl.

Ausschlaggebend für die Begeisterung des selbstständigen Computerfachmanns Günter Peuntinger für die exotische Tierart war neben Kindheitserlebnissen in Zoos vor allem der Dokumentarfilm „Das weinende Kamel“. Die Geschichte über ein von der Mutter verstoßenes Fohlen, die Lebensweise der Nomaden in der Mongolei und ihren alten Ritus, mit dem sie das Muttertier schließlich dazu bringen, ihr Junges anzunehmen, hinterließen bei dem gebürtigen Oberpfälzer tiefen Eindruck. Er sah sich mit seiner Partnerin auf etablierten Kamelhöfen um, besuchte Lehrgänge und kaufte schließlich in Regensburg die drei Trampeltiere.

In absehbarer Zeit wollen die beiden derzeit ihr Geld an Arbeitsstellen in Berlin verdienenden Kamelfreunde ihren Lebensunterhalt ganz mit Reitstunden bestreiten. Dafür soll ihre Herde noch erheblich anwachsen. „Das Kamel besitzt gegenüber dem Pferd unschlagbare Vorteile“, sagt Gabriele Heidicke. „Es ist kein Fluchttier und bewahrt in Gefahrensituationen die Ruhe.“

Der Reiter werde auf dem Sitz zwischen den Höckern angenehm hin und her geschaukelt und nehme nach kurzer Zeit den ruhigen Rhythmus der Tiere auf. Auf ihrem warmen Körper stelle sich Entspannung fast von allein ein. Der Auf- und Abstieg vom Tier, der bei Pferden einige Gelenkigkeit erfordere, sei bei Kamelen ganz problemlos: Sie knien sich freundlicherweise hin. Bei dem Ausflug werden die Reiter dann von einem der Hofbesitzer begleitet – entweder zu Fuß oder zu Pferde.

Auch längere Karawanenausritte durch die endlos scheinende märkische Heide können sich die beiden Enthusiasten aus Nassenheide vorstellen. Schon träumen sie von Abenteuer-Camps und anderen touristischen Angeboten. „Kamele werden im Durchschnitt 40 Jahre alt und kosten zwischen 5000 und 10 000 Euro“, rechnet Gabriele Heidicke. „Eine bessere Investition für die Zukunft, die obendrein noch so viel Spaß macht, können wir uns gar nicht vorstellen.“

Der Fleckschnupphof befindet sich in Nassenheide, Am Dorfanger 12. Besuche sind nur nach vorheriger Anmeldung möglich. Eine Reitstunde auf dem Kamel kostet 49 Euro, zwei Stunden 89 und drei Stunden 129 Euro. Weitere Informationen unter Telefon 0177/301 95 30 und im Internet unter www.fleckschnupphof.de

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