Der Tagesspiegel : Kampf um die besten Plätze

Die PDS streitet um die Zusammensetzung der nächsten Landtagsfraktion. Die Personalpläne des Parteichefs stoßen auf Widerstand

Michael Mara

Potsdam. In Brandenburgs PDS ist die Unruhe groß. Der Grund: Noch niemand weiß genau, wie die so genannte „Kernmannschaft“ von Landeschef Ralf Christoffers für die Landtagswahl aussieht. Für sie sollen die ersten zwölf Plätze der Landesliste reserviert werden. Dabei ist die Konkurrenz bei der PDS diesmal so groß wie noch nie: Von 21 Abgeordneten wollen 20 im September wieder für den Landtag kandidieren. Andererseits will Christoffers einen Teil der Fraktion auswechseln und mit Blick auf eine mögliche rot-rote Koalition deren politische Kompetenz verbessern.

Da die PDS mit Zugewinnen bei der Landtagswahl nach den Umfragen jedoch nicht rechnen kann, muss wegen der Neuen jeder zweite der heutigen Abgeordneten um den Wiedereinzug in den Landtag bangen. Das schafft böses Blut, zumal Teile der Fraktion ein zwiespältiges Verhältnis zu Christoffers haben. Dem Parteichef wird vorgeworfen, ihm genehme Leute in die Fraktion holen, Missliebige dafür ausbooten zu wollen. Ein weiterer Vorwurf: Selbst die Spitzenkandidatin Dagmar Enkelmann beziehe er nicht ausreichend ein. Gut möglich daher, dass es am Sonnabend, wenn der Landesvorstand die Kernmannschaft bestimmen soll, Krach geben könnte. Die selbstbewusste Enkelmann habe ihre eigenen Vorstellungen und werde sich nicht zu einer „Schaufenster-Spitzenkandidatin“ degradieren lassen, so ein Genosse.

Glaubt man dem PDS-Buschfunk, sollen der ominösen Kernmannschaft neben Enkelmann, Fraktionschef Lothar Bisky, Geschäftsführer Heinz Vietze und Christoffers selbst mehrere Neuzugänge angehören: Darunter der Ex-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Gehrke und der Fraktionschef im Potsdamer Stadtparlament Hans-Jürgen Scharfenberg. Gegen Gehrke gibt es aber Widerstand, da er bereits angekündigt hat, 2006 wieder für den Bundestag zu kandidieren. Manche Sozialisten sprechen deshalb verächtlich von einer „Versorgungslösung“. Scharfenberg ist dagegen unumstritten: Nachdem er beinahe Oberbürgermeister geworden wäre, traut die PDS ihm zu, einen der beiden Potsdamer Wahlkreise direkt zu gewinnen – gegen Regierungschef Matthias Platzeck (SPD).

Verärgert ist auch der Nachwuchs: Auf einer eigenen Konferenz hatten die nach vorn drängenden jungen Genossen mit dem Segen der anwesenden Führungsspitze eine „Jugendliste“ mit drei Personal-Vorschlägen für die Landesliste beschlossen. Doch soll sich kein einziger davon in Christoffers Kernmannschaft befinden.

Auch zwei kompetente Abgeordnete sollen angeblich nicht zur „Kernmannschaft“ gehören: der Wissenschaftspolitiker Andreas Trunschke, der wiederholt die ausbleibende Erneuerung und die Defizite der PDS angemahnt hatte. Und die frühere Parteichefin und Verkehrsexpertin Anita Tack, die Christoffers des öfteren kritisiert hatte. Wahlkampfleiter Vietze versucht zwar zu beruhigen: Es gebe keine endgültige „Kernmannschaft“. Doch hinter den Kulissen rüsten sich Genossen bereits für Kampfkandidaturen.

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