Kampf um Souveränität : Neue Kosovo-Verhandlungen geplant

Über die staatsrechtliche Zukunft der abtrünnigen südserbischen Provinz Kosovo soll noch einmal neu verhandelt werden. Der Weltsicherheitsrat ist tief gespalten.

Über die staatsrechtliche Zukunft der abtrünnigen südserbischen Provinz Kosovo soll noch einmal neu verhandelt werden. "Sehr wahrscheinlich wird es eine gewisse Zeit Verhandlungen geben, aber der Zeitraum wird begrenzt sein", zitierten die Zeitungen in Belgrad und Pristina den Staatssekretär im US-Außenministerium, Daniel Fried. Der Weltsicherheitsrat hatte sich nach neuen Kosovo-Beratungen am Vorabend in New York tief gespalten gezeigt. Dennoch kündigte der amerikanische UN-Botschafter Zalmay Khalilzad einen neuen Resolutionsentwurf und eine Abstimmung darüber an.

"Die nächsten sieben bis zehn Tage sind entscheidend", sagte Khalilzad vor Journalisten nach den Beratungen im höchsten UN-Gremium. Bisher hatte Russland dort als traditioneller Verbündeter Serbiens die von den USA und der EU befürwortete eingeschränkte Unabhängigkeit der fast nur noch von Albanern bewohnten Provinz abgelehnt. "Jede Resolution, die für Serbien unannehmbar ist, kann den Sicherheitsrat nicht passieren", zitierten Belgrader Zeitungen den russischen Außenminister Sergej Lawrow.

Belgrad hatte Vorschlag des UN-Vermittlers abgelehnt

Demgegenüber versicherte Fried nach den Medienberichten: "Am Ende des Tages wird das Kosovo unabhängig sein. Es wird unabhängig und überwacht, um die Einhaltung des Ahtisaari-Plans sicherzustellen." Der UN-Vermittler Martti Ahtisaari hatte nach einjährigen erfolglosen Verhandlungen zwischen Serben und Albanern einen Plan zur eingeschränkten Souveränität des Kosovos unter Aufsicht der EU und mit ausgesprochen starken Rechten für die serbische Minderheit vorgelegt. Die fast zwei Millionen Kosovo-Albaner hatten den Vorschlag angenommen, Belgrad hatte ihn aber strikt abgelehnt.

Die Partei des serbischen Regierungschefs Vojislav Kostunica (DSS) hat noch einmal klargestellt, dass die geplanten Neuverhandlungen nicht eine wie auch immer geartete Unabhängigkeit des Kosovos zum Thema haben dürften. "Es gibt kein Kosovo-Problem, sondern ein Problem der Lage der albanischen Minderheit in der Republik Serbien", zitierten die Medien den DSS-Sprecher. Belgrad will die Unruheprovinz mit weit gefasster Autonomie im Staatsverband behalten. Für die Albaner kommt nur ihre Souveränität in Betracht.

Das Kosovo wird seit Juni 1999 von den Vereinten Nationen verwaltet, nachdem Nato-Bomben die Massenvertreibung der Albaner durch serbisches Militär und Paramilitär gestoppt hatten. Seitdem sorgt die von der Nato geführte Schutztruppe Kfor für Ruhe in der Region. (mit dpa)